Wer? Herman! Der scheint sich inzwischen, bevor es in den Winterschlaf geht, die bereits erwähnten, vielfach aufgestellten Hütchen zunutze zu machen und sich so noch besser in seinem Revier zurecht zu finden! Mal taucht er hier auf, mal dort und am frühen Abend ist er eigentlich immer an seinem "Hauptloch" zu treffen, in dass er sich dann auch mal genervt zurückzieht, wenn jemand vorbeigelaufen kommt. Man beachte das zuckende Tierchen, in der rechten (etwas geblendeten) Bildhälfte:
Ups, leider ists nich hochkannt... einmal den Wendehals bitte. Ich korrigiere also: im oberen Mittelfeld ist Herman zu sehen, schlecht, aber immerhin...
Was die ernsteren Dinge des Lebens angeht, wissen wahrscheinlich fast alle schon wie es hier abläuft: Bis Weihnachten seh ich nix vom Land. Zumindest gefühlterweise. Meine drei Kurse (2 komplett auf Englisch, was beim Reden über deutsche Inhalte manchmal etwas befremdlich ist), die mich jeden Wochentag drei Std. am Stück an die Uni binden, halten mich auch Zuhause, denn es gibt ne Menge vor- und nachzubereiten, Deadlines zu beachten und sich an das verdammt persönliche Verhältnis mit den Profs zu gewöhnen... aber wie war das? "Ein klares Feindbild gibt dem Tag Struktur"?! Wenigstens weiß man so, gegen was man kämpft... wie Sisyphos gegen einen Berg Arbeit. Das ist nur der Eindruck aus der ersten Woche, ich erwarte den Abstumpfungsprozess im Laufe der nächste zwei Wochen...
Ansonsten offenbaren sich hier zurzeit kleine Kuriositäten des Alltags. Beispielsweise findet man diesen Warnhinweis auf mancher Toilette:

Ob das nun bedeuten soll, dass man nicht wien Mädchen spülen soll, oder das man keine femininen Wesen im Klo (hier übrigens: "Washroom", klingt doch gleich viel gediegener) wegspülen soll, ist dem Leser überlassen... gut, ich gebs zu.. da gibt es noch nen anderes Wort, das den Satz etwas entschärft, aber das liest man beim flüchtigen Gucken einfach nicht!
Übrigens lese ich momentan neben einem für das sich umstellende Hirn leicht komplizierten Sartre das folgende Methodenbuch, mit dem klangvollen Namen "The Craft of Research" (ja, pflichtmäßig...)

"Craft" ist wahlweise zu übersetzen: Kunstfertigkeit, das Fahrgefährt, die Geschicklichkeit, die Zunft, das Handwerk oder, in meiner Lieblingsübersetzung, das Wasserfahrzeug!
Auch wenn das vielleicht missinterpretiert ist, nimmt mich dieses Buch auf eine tolle Bootsreise, auf der man sich fühlt, als wenn einem brühwarm Heizdecken verkauft würden und der lauwarme Tee 12€ kostet. Im Ernst: Inhaltlich wirklich gut, aber der Tonfall erinnert an eine Kreuzung aus Teleshopping-Show und Motivationshandbuch. Aber so läufts halt, in Nordamerika - das übrigens, so behaupten es die Nordamerikaner, ein eigener Kontinent ist... Nunja, wie war das noch mit der "wo-du-auch-immer-dazu-gehörst"-zentristischen Position? Habt ihr schonmal ne Weltkarte aus Australien gesehen? Da sind die doch tatsächlich in der Mitte. Wobei das wohl eher aus dem "Am-Rande-der-Welt"-Komplex resultiert.
Nordamerika gehört ja nun offiziell zu den eher ärmeren, hust, Kontinenten der Welt, schließlich hat Europa die Spitze an sich gerissen. Nummer 2 nun also. Ob die das verkraften? So fühlen muss man sich hier jedenfalls nicht bei den vorbeirauschenden Hummer-Jeeps und den riesigen Autos, deren Fahrer es nichtmal merken würden, wenn sie einen 1,90m-Mann überführen. Bei den Kalorien wird sicher auch der erste Platz verteidigt. Meine harmlos ausschauenden Blaubeer-Muffins haben jedenfalls 310 Kalorien pro STÜCK! Außerdem hatten wir heut ein kostenloses Barbeque vom Village, Inhalt: Burger, Hotdogs und giftigfarbene Limonade. Hier der Fotobeweis
(copyright by Michi):

Die Interpretation des Augenausdrucks überlasse ich euch... Achja, in Kontrast zu dem Fastfood-Programm haben wir letzte Woche mal nen Fahrradausflug gemacht (ich konnte mir, da ein eigener Fahrraderwerb hartnäckig erfolglos ist, das gefühlte Kleinkindrad von einer Kommilitonin leihen, auf dem ich merken durfte, dass man auch ohne Waden un

d Oberschenkel-Anstrengung das Fahrrad mit den Knien bewegen kann) und zwar nach St. Jacobs. Weg aus der Stadt, rein ins Umland. Und tatsächlich - ein bisschen ländlicher wurde es schon. Wir haben uns aber ziemlich großstadtmäßig ne spottbillige Levis-Jeans (25€ umgerechnet) ge

kauft und sind dann bei 90% Luftfeuchtigkeit nach einer kleinen Naturrundtour (was für ein Wort!) zurückgedüst. Letzten Freitag durften wir dann schließlich unsere erste Party besuchen. Vor lauter oberflächlichen Blubbgesprächen quer durch vielfältige Nationen ist mir das Hirn ganz weich geworden. Und nein, ich würde das nicht dem Wein anlasten! Morgen gehts also arbeitstechnisch weiter... wenn ihr was dringend wissen wollt (abgesehen davon, wie man IKEA-Möbel ohne Anleitung aufbaut whatsoever), scheut euch nicht, die Kommentarfunktion zu nutzen, mir eine E-Mail, oder einen Brief zu schreiben (Adresse gibts auf Anfrage).
Zur Belohnung (hust...), für das Durchhalten bei diesem Eintrag hier noch ein toller Beitrag aus unserem Student Life Centre, dass 24/7 geöffnet hat und so lustige Events wie Karaoke für die Horden von Asiaten die man hier findet anbietet. Achtung, der Verfasser haftet weder für physiologische noch psychische Schäden. Squirrelgreenandwhite proudly presents (wieder nach links gekippt)... Metallica - The Unforgiven, im möchtegern Falsett:
Gute Nacht von mir, guten Morgen nach Europa und bis bald!