Mittwoch, 30. September 2009

Politisches Insiderwissen

Die Wahl in Deutschland ist beendet. Das Land auch? Wie auch immer... Zwei Tage später durfte ich etwas Brisantes entdecken. Die Führung der SPD ist ins Exil geflohen!!! Und die haben sich hier schon eingerichtet, um direkt den Wiederaufbau für die Legislaturperiode in vier Jahren in Angriff zu nehmen:


Angetroffen habe ich leider niemanden. Dafür war es schon zu spät. Außerdem hielt einer der Berater eines ehemaligen kanadischen Premierministers (Mulroney - kennt ihr den? Ich nicht...) im Nebenraum einen Vortrag über die Zeit das Mauerfalls. Ja, auch hier spürt man das 20jährige Jubiläum. Vornehmlich dadurch, dass wir genötigt werden uns irgendwelche Veranstaltungen anzutun, obwohl wir mit Unikram und Privatleben schon recht ausgelastet sind. Mr. Heinbeker, der hier aus der Gegend kommt (übrigens, der am längsten amtierende Premierminister in Kanadas Geschichte kommt auch von hier... jaha!), erzählte uns dann wichtige Insiderinfos, die man als zukünftiger Diplomat (man muss ja als Germanist schließlich Ausweichmöglichkeiten in der Hinterhand haben...) wissen sollte. Zum Beispiel, dass Boris Jelzin, wenn man ihm eine unerwartete Geburtstagstorte schenkt (Wodka-Torte?!) einfach alles unterschreibt. Klasse, oder? So einfach ist das! Oder das Magaret Thatcher ne alte Schachtel ist! War sie auch da! Schon immer eigentlich! War die überhaupt mal jung und nicht eisern? Nicht zu vergessen ist natürlich, dass Obama in Wirklichkeit Barack Gorbatschow-Obama heißt, also eine Reinkarnation des Mannes mit den vielen Flecken auf dem Kopf (die nun Ganzkörperflecken sind?) ist. Und Kanada ist so ein immens wichtiges Land, dass ohne seine Vermittlung beim Mauerfall ja mal garnichts gegangen wäre. Klingt etwas nach Minderwertigkeitskomplex, trotz größter Fläche nach Russland. Aber gut. Die Reception (ja, so ködert man uns, mit Alkohol und Essen) hinterher ist der Rede nicht wert und die Häppchen wollten wohl nur gut aussehen. Ansonsten läuft das Studium, ja, so langweilig das jetzt klingt - aber es fordert seinen Tribut. Zum Beispiel den der physischen Erlebnisfrequenz. Ist halt mehr so Abenteuer im Kopf.

Aber eins kann ich euch sagen: Am Wochenende gehts nach Toronto. Dann gibts hier mal wieder was zu lesen, physische und geistige Erlebnisse - denn es ist die lange Nacht der Museen. Und für den geneigten Betrachter gibts natürlich auch was zum Gucken! Juchu. Also, immer schön treu bleiben, auch wenn es etwas unregelmäßig abläuft.
Ich frage euch ab, wenn ich wieder da bin!

Guten Morgen und schönen Tag. Ich geh ins Bett.

PS: Wer den Tag ruhig und ungestresst beginnen möchte, dem sei zum Hören dieser nachstehenden Meditationsübung geraten. Die CDs liegen in der Uni rum. Wer weiß, was einem das sagen soll... vielleicht sind ja satanische Botschaften drauf, wenn man die CD rückwärts abspielt? Lasst es mich wissen, wenn ihr was rausgefunden habt!

Hier unten auf Play klicken:

Dienstag, 22. September 2009

The Ghost in you...

Heute etwas aus dem Columbia Lake Village (so heißt der Laden hier)-Kuriositätenkabinett. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, insbesondere des Nachts, denn gucke ich über ein grünes Hügelchen auf eine weitere Häuserreihe. In Haus Nr. 89 brennt seltsamerweise jede (!) Nacht das Licht in der Küche und da die Häuser hier teilweise angelaufene Scheiben (oh gott, wahrscheinlich wird es wirklich kalt) haben, ergibt das manchmal ein gruseliges Bild in der Dunkelheit. In der ersten Nacht habe ich doch tatsächlich gedacht, gegenüber sitzt eine Frau mit weißem Kopftuch. Und die hat sich nicht einmal bewegt:

Auch meine Fenster bieten schöne Dinge: wahlweise eine Afrofrisur oder einen schulterlangen Haarschnitt mit Pony! Schade, dass ich nie fotografieren werden kann, wie ich dahinter stehe. Sitze leider im zweiten Stock (denn in Kanada ist das Erdgeschoss der 1th Floor)... :)

Sonntag, 20. September 2009

He's still awake...

Wer? Herman! Der scheint sich inzwischen, bevor es in den Winterschlaf geht, die bereits erwähnten, vielfach aufgestellten Hütchen zunutze zu machen und sich so noch besser in seinem Revier zurecht zu finden! Mal taucht er hier auf, mal dort und am frühen Abend ist er eigentlich immer an seinem "Hauptloch" zu treffen, in dass er sich dann auch mal genervt zurückzieht, wenn jemand vorbeigelaufen kommt. Man beachte das zuckende Tierchen, in der rechten (etwas geblendeten) Bildhälfte:




Ups, leider ists nich hochkannt... einmal den Wendehals bitte. Ich korrigiere also: im oberen Mittelfeld ist Herman zu sehen, schlecht, aber immerhin...

Was die ernsteren Dinge des Lebens angeht, wissen wahrscheinlich fast alle schon wie es hier abläuft: Bis Weihnachten seh ich nix vom Land. Zumindest gefühlterweise. Meine drei Kurse (2 komplett auf Englisch, was beim Reden über deutsche Inhalte manchmal etwas befremdlich ist), die mich jeden Wochentag drei Std. am Stück an die Uni binden, halten mich auch Zuhause, denn es gibt ne Menge vor- und nachzubereiten, Deadlines zu beachten und sich an das verdammt persönliche Verhältnis mit den Profs zu gewöhnen... aber wie war das? "Ein klares Feindbild gibt dem Tag Struktur"?! Wenigstens weiß man so, gegen was man kämpft... wie Sisyphos gegen einen Berg Arbeit. Das ist nur der Eindruck aus der ersten Woche, ich erwarte den Abstumpfungsprozess im Laufe der nächste zwei Wochen...

Ansonsten offenbaren sich hier zurzeit kleine Kuriositäten des Alltags. Beispielsweise findet man diesen Warnhinweis auf mancher Toilette:


Ob das nun bedeuten soll, dass man nicht wien Mädchen spülen soll, oder das man keine femininen Wesen im Klo (hier übrigens: "Washroom", klingt doch gleich viel gediegener) wegspülen soll, ist dem Leser überlassen... gut, ich gebs zu.. da gibt es noch nen anderes Wort, das den Satz etwas entschärft, aber das liest man beim flüchtigen Gucken einfach nicht!

Übrigens lese ich momentan neben einem für das sich umstellende Hirn leicht komplizierten Sartre das folgende Methodenbuch, mit dem klangvollen Namen "The Craft of Research" (ja, pflichtmäßig...)

"Craft" ist wahlweise zu übersetzen: Kunstfertigkeit, das Fahrgefährt, die Geschicklichkeit, die Zunft, das Handwerk oder, in meiner Lieblingsübersetzung, das Wasserfahrzeug!
Auch wenn das vielleicht missinterpretiert ist, nimmt mich dieses Buch auf eine tolle Bootsreise, auf der man sich fühlt, als wenn einem brühwarm Heizdecken verkauft würden und der lauwarme Tee 12€ kostet. Im Ernst: Inhaltlich wirklich gut, aber der Tonfall erinnert an eine Kreuzung aus Teleshopping-Show und Motivationshandbuch. Aber so läufts halt, in Nordamerika - das übrigens, so behaupten es die Nordamerikaner, ein eigener Kontinent ist... Nunja, wie war das noch mit der "wo-du-auch-immer-dazu-gehörst"-zentristischen Position? Habt ihr schonmal ne Weltkarte aus Australien gesehen? Da sind die doch tatsächlich in der Mitte. Wobei das wohl eher aus dem "Am-Rande-der-Welt"-Komplex resultiert.

Nordamerika gehört ja nun offiziell zu den eher ärmeren, hust, Kontinenten der Welt, schließlich hat Europa die Spitze an sich gerissen. Nummer 2 nun also. Ob die das verkraften? So fühlen muss man sich hier jedenfalls nicht bei den vorbeirauschenden Hummer-Jeeps und den riesigen Autos, deren Fahrer es nichtmal merken würden, wenn sie einen 1,90m-Mann überführen. Bei den Kalorien wird sicher auch der erste Platz verteidigt. Meine harmlos ausschauenden Blaubeer-Muffins haben jedenfalls 310 Kalorien pro STÜCK! Außerdem hatten wir heut ein kostenloses Barbeque vom Village, Inhalt: Burger, Hotdogs und giftigfarbene Limonade. Hier der Fotobeweis (copyright by Michi):

Die Interpretation des Augenausdrucks überlasse ich euch... Achja, in Kontrast zu dem Fastfood-Programm haben wir letzte Woche mal nen Fahrradausflug gemacht (ich konnte mir, da ein eigener Fahrraderwerb hartnäckig erfolglos ist, das gefühlte Kleinkindrad von einer Kommilitonin leihen, auf dem ich merken durfte, dass man auch ohne Waden und Oberschenkel-Anstrengung das Fahrrad mit den Knien bewegen kann) und zwar nach St. Jacobs. Weg aus der Stadt, rein ins Umland. Und tatsächlich - ein bisschen ländlicher wurde es schon. Wir haben uns aber ziemlich großstadtmäßig ne spottbillige Levis-Jeans (25€ umgerechnet) gekauft und sind dann bei 90% Luftfeuchtigkeit nach einer kleinen Naturrundtour (was für ein Wort!) zurückgedüst. Letzten Freitag durften wir dann schließlich unsere erste Party besuchen. Vor lauter oberflächlichen Blubbgesprächen quer durch vielfältige Nationen ist mir das Hirn ganz weich geworden. Und nein, ich würde das nicht dem Wein anlasten! Morgen gehts also arbeitstechnisch weiter... wenn ihr was dringend wissen wollt (abgesehen davon, wie man IKEA-Möbel ohne Anleitung aufbaut whatsoever), scheut euch nicht, die Kommentarfunktion zu nutzen, mir eine E-Mail, oder einen Brief zu schreiben (Adresse gibts auf Anfrage).

Zur Belohnung (hust...), für das Durchhalten bei diesem Eintrag hier noch ein toller Beitrag aus unserem Student Life Centre, dass 24/7 geöffnet hat und so lustige Events wie Karaoke für die Horden von Asiaten die man hier findet anbietet. Achtung, der Verfasser haftet weder für physiologische noch psychische Schäden. Squirrelgreenandwhite proudly presents (wieder nach links gekippt)... Metallica - The Unforgiven, im möchtegern Falsett:



Gute Nacht von mir, guten Morgen nach Europa und bis bald!

Sonntag, 13. September 2009


Was wird hier unterrichtet? Zeckenkunde oder das unentdeckt und zweisam in der Wiese liegen? Letzteres wär doch schön..

Samstag, 12. September 2009

Barbeque und Football = Kultur

Zwei Dinge, immens wichtig, haben hier noch garkeine Erwähnung gefunden: Barbeque und Football. Klingt aufs erste Hören, als ob man nicht weiterlesen braucht. Aber hey, das sind Themen die durchaus Kulturstatus beanspruchen dürfen!

Unsere Orientierungstage sind gestern mit einem Barbeque im Garten des Department-Ältesten ausgeklungen. Dr. John und seine Frau veranstalten seit ca. 25 Jahren schon das Barbeque für die Neuankömmlinge. Das Ganze ist auch das erste und einzige Mal gewesen, an dem es Freibier am Department gab ;) 25 Jahre... ja, so alt war auch die handgezeichnete Karte, die wir bekamen um, mit einiger Verzögerung, dorthin zu finden. Nachdem wir unseren letzten (2Std. dauernden) Behördengang zwecks Sozialversicherungsnummer hinter uns hatten, waren wir eh schon hoffnungslos zu spät. Eine gute Gelegenheit, um mit dem deutschen Pünktlichkeitsklischee aufzuräumen und Pseudogelegenheitsmitbringsel anzuschleppen! Nachdem ich auf dem Hinweg schon unausstehliche Ängste aufgrund von vermuteten unterarmdicken Steaks mit Knochen und Sehenfetzen auszustehen hatte, wurde mir schlussendlich gewahr, dass es verdammt leckere Burger in allen erdenklichen Varianten, Maiskolben und sonstigen Kram geben wird - und so war es dann auch. Die Beschreibung des Fast Food-Szenarios erspare ich euch an dieser Stelle... um der Kälte (und den aggressiven Moskitos!) der inzwischen schon schattigen kanadischen Nacht (ca. 7°C) zu entkommen, klang das Ganze (alle Profs, alle Grad-Studenten und alle Doktoranden anwesend - und "Noodle" der verdammt süße Hund von Frau Prof. Schmenk (die Kanadier ham nen Titelfimmel), der mit seinen 7 1/2 Monaten die Leute auf Trab hielt) schließlich aus. Nett. Aber nicht weltbewegend. Außerdem: Was spricht man denn nun mit Kanadiern die Deutsch lernen? Wir haben uns irgendwann auf die jeweilige Fremdsprache geeinigt...

Statt heute der Mennoniten (die ersten deutschen Auswanderer, die, ähnlich der Amish, hinterm Mond leben) etwas näher zu kommen - achtung, keine Lästereien auf Deutsch, das könnten sie verstehen -, sind wir bei der Football-Mannschaft unserer Uni hängen geblieben und ich habe, durch Michi instruiert, die Football-Regeln tatsächlich gelernt. Nunja. Zerhacktes Spiel. Außerdem waren die "Warriors" (We are Warriors.. hust) nicht ganz so gut.. Naja, mein Lieblingsbild war die stimmungsmachende Band, die von drei Securitys abgeschirmt wird. Nichts ungewöhnliches? Stimmt, aber schaut hier und sucht den Fehler:

Richtig, keine Zuschauer. Naja, aber Sicherheit geht ja trotzdem vor...
Die landenden Fallschirmspringer mit kanadischer Flagge haben da mehr Laune gemacht, obwohl ich natürlich wie immer Angst hatte, dasse auf meinem Kopf landen. Das haben nur die Grillen getan. Aber die wiegen ja zum Glück nicht soviel. Der heutige Samstag verflüchtigte sich dann mit einem erneuten Reizüberflutungs-Shopping, von diesmal aber sinnvollen Sachen á la Kopfkissen, Wäscheständer und Nachtischlampe (for god's sake!)...

Zur Leserbefriedigung und zum Abschluss der heutigen Klischeethemen habe ich natürlich noch ein besonderes Gewohnheitsbild für Nordamerika zu bieten, den Schulbus:


Toll, nicht? Guten Morgen und bis bald!

Donnerstag, 10. September 2009

Leben unter der Erde

Eine gute Nachricht zum Anfang: Herman ist nicht allein. Er hat Familie!!! Das durften wir heute auf dem Rückweg von unserem zweiten Orientierungstag rausfinden, als sich Hermi mitsamt Angetrauter am Vorder- und Hinterausgang des Eigenheims sonnte. Sie ist leider sehr fotoscheu, aber Herman hat sich erbarmt und in Chefposition für uns geposed und hier ist das Ergebnis:In einer Weise haben wir es unserem Maskottchen heute gleich getan. Wir waren unter der Erde, fast den ganzen Tag. Zunächst in einem Kühlfach der Naturwissenschaften. Nein, damit ist kein Raum für die Lagerung von chemischen Mitteln oder ähnlichem gemeint, sondern ein Hörsaal, der unter der Erde liegt. Und mit ca. 15°C aufwartete. Wir mitten drin und das 3Std. lang. Immerhin hatte ich nen Schal mit, um für evtl. Air-Condition Windzüge vorbereitet zu sein, naja, das wars aber auch und dementsprechend viel Sonne brauchte ich im Anschluss an die mal spannende/lustige und weniger spannende/weniger lustige Präsentation, bei der ich - unglaublich - einen Schlüsselanhänger als Belohnung für mein Namensgedächtnis (es war nur ein Name, allerdings nen Englischasiatisch-Mix) bekommen hab. Eigentlich wollte ich ja die graue Gans, das Nationaltier Kanadas, in Plüschtierform, aber irgendwie wurde die an der falschen Stelle verteilt. Der zweite Teil unter Tage und das erinnert auch sehr an Herman, begründet sich durch die Untertunnelung des Universitätscampus', die wir heute ein bisschen erkundet haben. Im Winter und bei schlechtem Wetter sehr praktisch und natürlich an den Kreuzungen verkehrssicher mit Spiegeln versehen:

Das Ende des heutigen Programms markierte dann ein englischsprachiger Workshop, der einen Vorgeschmack auf die persönliche, interaktive, engagierte und lustige Art der Seminare gab - man darf gespannt sein, ob die Dozenten diese hohe Qualität übers ganze Semester halten können (und die Studenten natürlich auch....), doch bisher kann man wohl guter Hoffnung sein!

Zum Abschluss des heutigen Eintrags soll euch natürlich der "Thought of the Day" des Grad Houses (ein Pubähnliches Häuschen für Graduate Studenten, zu dem Undergraduates keinen Zugang haben, in dem man relativ günstig essen kann und das sogar eine Ausschanklizenz besitzt) nicht vorenthalten werden. Der Kontext der Anmerkung sind die noch andauernden Orientierungs(und Bespaßungs-)Tage der Undergrads (namentlich "Frosh Week"), auch Kiddies genannt, die schon vorher als drillähnliche Veranstaltung Erwähnung fand. Aber bitte lest selbst:
(Übersetzung: "Gedanke des Tages: Habt Ihr Typen jemals Star Trek: The Next Generation (ein Science-Fiction Film, Anm. des Verfassers) gesehen? Erinnert Ihr euc h an die Borgs, die Erzfeinde, und wie sie versuchten, die Leute alle gleich aussehen zu lassen, ihnen die gleiche Kleidung und das gleiche Verhalten aufzuzwingen? Erinnert Ihr euch, wie sehr sie gehasst wurden? Viel Spaß bei der 'Frosh Week'!"

Mittwoch, 9. September 2009

"Titel eines berühmten Hollywoodfilms mit Bill Murray"

Um hier keine weitergehenden Aufwärmungen von alten Filmtiteln zu betreiben, dürfen die geneigten Leser selbst raten, worauf der nichtgegannte Titel anspielt. Dazu eine kleine Anekdote aus unserem neuen Canadian (Wild)Life. Das Studentendorf in dem wir wohnen, wird offensichtlich nicht nur überirdisch bewohnt, sondern auch unterirdisch. Orange Hütchen markieren die Stellen, an denen sich Herman (englische Aussprache bitte: Hörmän, dann reimt es sich nämlich auf "the German"), unser neues Maskottchen, durchgegraben hat. Der Haupteingang ist durch einen original Spalding Basketball versperrt. Sozusagen der große Fels vor der Hölle, wie bei diesem Typen mit den Latschen und der Dornenkrone. Naja, wenn wir an den gesuchten Filmtitel zurückdenken, geht es ja auch dort um die Frage der Schicksalslenkung durch eine höhere Macht... ob uns das tägliche Auftauchen Hermans stutzig machen sollte? Heute hat er sich mal angeguckt, wer hier so seinen Frieden stört, und das ist er:

Richtig, ein Murmeltier. Er ist sozusagen einer unserer Mitbewohner. Quasi der Vierte, der uns nun fehlt, da unser Inder, dessen Name verdächtig nach Salami klingt, kein Visum bekommen hat. Unseren Kanadier lernen wir am Samstag kennen und ob Herman vielleicht in das Zimmer vom Waqar einziehen darf, ist noch ungeklärt...

Zurzeit beginnt sozusagen das wirkliche Leben, abseits von streunenden Erkundungen und ersten Fast Food-Höhenflügen. Wir haben unsere Orientations Days, die gleich am Anfang mit einem "Oh mein Gott, tue ich mir das wirklich an?"-Erlebnis aufwarteten. Die Vorstellung des Departments machte nämlich den Eindruck, als wenn wir nur die Uni von Innen sehen und das Äußere des zugehörigen Landes nur vom hören sagen kennenlernen würden. Nunja, nach anfänglicher Konsternierung also wurden wir erstmal mit Bibliothekskram zugeballert. Mit soviel Bibliothekskram, das man das Gefühl haben musste, der Kopf platzt und obendrein bricht der Kopf von den Schultern, weil man im Zug der verdammten Klimaanlage sitzen musste (wobei man einräumen muss, dass die Lehre schon am ersten Tag einen sehr vitalen, lustigen und lebhaften Eindruck macht!). Die Kanadier glauben nämlich anscheinend, dass auch bei 24°C Außentemperatur alle Gebäude gekühlt werden müssten. Ähnlich wie in Thailand alle glaubten, 14°C im Inneren wären angenehm (http://neuesvonalexausthailand.blogspot.com). In der Bank, wo wir den Account für das Gehalt aus dem horrenden Hiwi-Job eröffnen mussten, herrschten ähnliche zustände. Dazu mussten wir anderthalb Stunden warten - aber je mehr Geldkarten im Portemonnaie, desto angesehener ist man bestimmt. Zudem wir durften Pong (oder so ähnlich kennenlernen) aus China kennenlernen, der putzigerweise noch nicht so ganz firm ist mit der westlichen Shake-Hands-Kultur. War eher nen angewärmter Fisch den er uns ein bisschen unbeholfen (und auch noch die Linke) reichte. Mal wieder ein fixer "Wo kommst du her, was machst du, wie heißt du, weißt du wie XY geht?"-Plausch mit Unterhaltungswert.
Nunja - die sich anschließende zweite Sitzung am Department war schon netter. Ich vermute, die Ansagen am Morgen waren zum Testen, ob schon die ersten wegrennen. Man gut, dass ich meine Meinung geändert habe. Viel Arbeit wird das Ganze sicher werden, aber schließlich soll ja auch ein Masterabschluss in der Hälfte der normalen Studienzeit geschafft werden. Wies weitergeht, weiß ich noch nicht. Aber immerhin hab ich schonmal nen Stundenplan mit drei Kursen und dem Hinweis darauf, auf keinen Fall mehr zu machen, da man sich sonst "tot arbeite". Hallelulja und Herman! äh, Amen.

Dienstag, 8. September 2009

Einführungstage... in mehrerlei Hinsicht

... zwei besondere Dinge durften wir nun, nach unserem ersten Abstecher in die Stadt, kennenlernen. "Sie" heißt Wendys und fabriziert seit 1969 traditionell-amerikanische Burger und "er" ist der Baconator mit einem halben Pfund Fleisch und Bacon obendrauf. Ohne Salat (versteht sich von selbst), mit Käse und Mayonnaise veredelt. Unsere "Small"-Portion hat uns schon in die Knie gezwungen, für die "Middle"- und "Large"-Portionen sind wir offensichtlich noch nicht lang genug hier. Sind das die schönen oder verführerischen Seiten des Kennenlernens?

Sonntag, 6. September 2009

Von schwarzen Eichhörnchen, grauen Gänsen und buntem Gackervieh...

Zu allem Überfluss hab ich mich natürlich noch ca. 2h im Bett rumgewunden... der heutige Tag brachte vor allem den Plan hervor, den Unicampus ein bisschen zu erkunden... "Campus" wird der Situation hier zwar in dem Sinne gerecht, als dass das Universitätsgebiet ein ziemlich großes Feld ist, andererseits wäre "urbs" auch keine schlechte Bezeichnung - ist der Campus einfach mal so groß wie die Bamberger Innenstadt.

Wenn man die Weitläufigkeit negativ betrachten möchte, muss gesagt werden, dass die Wege ganz schön auf die Füße gehen - betrachtet man die Weitläufigkeit aber positiv, dann springen einem verdammt viele kleine putzige Eichhörnchen ins Auge, es flattern einem die grauen Gänse (Bewahre vor den Exkrementen!) über den Kopf und vielleicht läuft man auch mal einer Schlange über den Weg. Die Symbiose von Natur und Urbanität scheint auf den ersten Blick gegeben, auf den zweiten fragt man sich allerdings, warum die Blödköppe nicht einfach drei von den Fakultäten aufeinander setzen, um einfach noch mehr Grünheit zu erhalten.. aber naja.

Die Optik der Uni ist natürlich in keiner Weise mit der Bambergs zu vergleichen, Ocker und die 80er Boomfarbe Bronze sind zunächst vorherrschend, klassischer Backstein und kreativkrepierend anmutende Außenfassaden - nichts von den Daniel Libeskind und Frank O. Gehry Fassaden in Toronto, aber die haben se ja auch schnell mal nachträglich drangeklotzt. Eigentlich muss ich mich wiederholen. Alles ist riesig. Ein autarkes Leben kein Problem. Vor allem nicht mit dem vielseitig einsetzbarem Studentenausweis, den manche Supermarktketten auch als Zahlungskarte akzeptieren. Zurzeit sind an den Einfahrten der Stadt überall Schilder ausgestellt, die mit "XY welcomes back the students of the University of Waterloo"-Sprüchen aufwarten. Ob das bedeutet, dass wir zahlungskräftig sein sollen oder der Stadt einen unverwechselbaren Charme geben... wer weiß. Überall rennen zur Zeit lauter bunte Gackertiere (i.d.R. aufgedrehte Studenten) durch die Gegend und organisieren irgendwelche Sachen mit T-Shirt Einheitslook und Sprechchören, so dass man zwischendurch glaubt, einem Drill oder einer "Schöne neue Welt"-Szene zugucken zu müssen. Irgendwie gruselig dieser ganze Kennenlern- und Kommunikationsfimmel. So wird man in jeder Schlange angequatscht (ein angehender Ingenieur aus Südkorea schwärmte von Deutschland als seinem liebsten europäischen Land und erwähnte nebenbei, dass der Campus der UW einer der kleineren Sorte in Kanada wäre) und hat tausend Termine, die irgendwas mit Kennenlernen zutun haben.

Zum Beispiel in unserem "Wohndorf". Da gibts Don's. Die Gedanken an Tischtennisbälle in den Wangen, einem feinen Schnauzer und kratziger Stimme sind naheliegend. Unser Don scheint aber harmlos zu sein, doch ob wir die Familie beleidigen, wenn wir etwas Ungebetenes tun, erfahren wir erst in ein paar Tagen...

Ansonsten sind wir noch ein bisschen um den benachbarten See spaziert und sind einer Schlange über den Weg gelaufen, sowie ersten rotanlaufenden Ahornblättern... der Indian-Summer kommt bestimmt und wir sind gespannt... auch auf das Schlafkontingent diese Nacht. Gute Nacht! Bzw. für euch wohl eher: guten Morgen!

Welcome to Canada!

Nunja, oder fangen wir lieber doch, so wie es sich gehört, am Anfang an. Und mit Anfang meine ich den Start in das Auslandsjahr an der University of Waterloo, das mit einem kanadischen Master in German Literature in weiter Ferne mal abgeschlossen werden soll.

Die Abschiedsdramen lasse ich hier mal außen vor, zum Schutze meiner selbst und aller Beteiligten und stimme stattdessen in den Erzählton ein: Das Ganze beginnt ziemlich früh am Samstag, den 5.9.2009. Wie es sich für Abschiede gehört, hat es natürlich auf der Fahrt zum Flughafen mehrfach geregnet (nein, ich werde jetzt nicht der "weinender Himmel"-Metapher frönen), angekommen vor Ort verlief alles ziemlich fix, was sicher gut war. Weniger gut war das, was sich anschloss... Mein Start-Lande-Flug nach Frankfurt vereinigte gleich drei Schmankerl der Reisealpträume in sich:

1. Vor mir saß eine Truppe gackernde Mittvierzigerinnen, die auf dem Weg in den Weiberurlaub waren ("Ich war schon am Gardasee und in Hurghada").
2. Neben mir saß die wohl einzige Person im gesamten Flugzeug, die das spärliche Frühstück nicht an sich halten konnte (und das 3x - wo sie das her hatte? Keine Ahnung).
3. Einer der Gründe dafür waren sicherlich unsere lustigen Absacker und Windschubser, die inzwischen meine körperliche Unruhe wunderbar untermalten.

Wenigstens musste ich mich in Frankfurt nicht mehr um mein Hinkelsteingepäck kümmern und konnte so in aller Ruhe erstmal vor mich hindämmern - bis Michis (der Gefährte!) Anruf kam: Die Maschine sei überbucht und es stände garnicht fest, ob er noch einen Platz bekäme... super, immerhin ist für Kanada alles reibungslos organisiert und da stolpert man dann tatsächlich über die wohlsortiere Ordnung in Deutschland? Nein, dem war nicht so. Eher drohte man über die Dramatisierung der deutschen Mitarbeiterin (Arbeitgeber wird nicht genannt), denn ihre kanadische Kollegin am Gate schüttelte ungläubig den Kopf über diese, ihrer Meinung nach, "silly" Aussage. Michi durfte also mit und wir konnte sogar nach einem Tauschgeschäft zusammensitzen. Der Flug nach Toronto gestaltete sich dann angenehm ruhig (bis auf die innere Unruhe) und vor Ort in Toronto ließen einen auch langsam die in der vorherigen Nacht dank Schlaftablette gesammelten Kräfte im Stich... Egal, organisiert war alles, wir bekamen sogar nen Wässerchen und wurden dann mit nem Bus von schüchternden Volunteers der University of Waterloo vor die Verwaltung unseres Wohndorfes (Kanadier müssen nicht in die Höhe bauen, das sieht man hier überall) gekarrt. Während Pam versuchte enthusiastische Worte aus einer handvoll Austauschstudenten nach 8 1/2Std Flug herauszukitzeln erhielten wir unsere Schlüssel und ich konnte meinen Hinkelstein ins Wohnhäuschen tragen.

Wohnhäuschen. Ja, nun. Schon. Eigentlich auch ok. Anfangs aber son bisschen naja. Hm. Nicht ganz neu. Etwas abgelebt. Und mit Duschloch, in dem man jemanden einmauern könnte, ohne das die Raumstruktur auffällig veränert wäre. Unsere Mitbewohner (ein Kanadier und ein, ähm, Inder oder so) sind noch nicht da und so können wir uns die Bude erstmal teilen. Der Kühlschrank hat Amiformat, der Backofen auch. Was verständlich wurde, nachdem wir unseren ersten Gang (über eine grüne Wiese mit Bäumchen - Kanada ist WIRKLICH grün und weitläufig) in den Supermarkt getätigt hatten... Reizüberflutung! Kein Wunder, dass hier alle fett werden, kostet doch die Pizza mit 950g gleichviel wie die lächerliche Dr.Oetker mit 375g... Ansonsten war ich einfach überfordert und vom Jetlag erschlagen, denn der zog sich auch durch die Nacht - obwohl wir uns tapfer bis 24h wachgehalten hatten, hab ich nur bis 4h geschlafen...