Freitag, 3. September 2010

Letztes Update

Ich bin am Leben. Flüge problemlos. Jetlagausmerzung schleppend. Bis bald!

Montag, 30. August 2010

Ende Nr. 2 - I'm bidding farewell to Canada on the whole

Der Flug von Vancouver nach Toronto verlief problemlos (und der SkyTrain war nicht so spektakulär, fährt aber ohne Fahrer durch die Gegend), ich hatte meine gewünschte Beinfreiheit, einen seltsamen Chinesen, der ständig auf dem Touchscreen rumhämmerte (dabei war er so gewandt mit seinem Iphone...) und ein ordentliches Entertainment Programm. Zunächst habe ich mir die 2010er Doku über die kanadische Band (alle in Ontario geboren) "Rush - Beyond the Lighted Stage " reingezogen - mein Urteil: über alle Maßen empfehlenswert! Wer ihn noch nicht gesehen hat und eine der wichtigsten Bands der Rockgeschichte (die nie Mainstream war, sondern ihren eigenen Stream hatte...) kennenlernen will - unbedingt anschauen. Wer Rush schon kennt und interesannte Einblicke bekommen, einen Haufen Livematerial, Studioaufnahmen, Interviews und einen Spaziergang durch 40 Jahre Bandgeschichte sehen möchte - unbedingt anschauen. War ein Genuss das Filmchen! Im Anschluss gabs noch eine Ozean-Reportage ("Oceans"), die wunderbare Bilder hatte, aber ein bisschen zu wenigen wissenswerten Output. Außerdem ging mir die nöselnde, pseudo-weise (Original)Stimme von Pierce Brosnan ein bisschen auf den Keks... Dann plötzlich, schwupps, war der Flug schon vorüber. Das ging fix. Beim Landeanflug auf Toronto wurde einem dann auch schlagartig wieder bewusst, wie groß Toronto ist (und wie Zuhause ich mich hier inzwischen fühle), bzw. wie klein Vancouver aussieht. Allerdings hat letztere eine (von der Luft in voller Gänze zu erkennende) beeindruckende Szenerie direkt vor den Stadttoren - ich sag: Die Kombi würdes machen. Toronto in der Umgebung von Vancouver. Das wärs! Um sicher zu gehen, dass mein Eindruck noch stimmte, habe ich am Samstag dann nochmal einen Streifzug durch die Innenstadt der 'alten Heimat' gemacht. Queen St., Yonge St., Eaton Centre, Spadina Ave. und zum wehmütigen Abschluss nochmal das Financial District. Meinen großen Rucksack konnte ich übrigens günstig am Flughafen parken, was mir eine ziemliche Erleichterung ist. Auf meiner Abschiedstournee durch die Innenstadt durfte ich dann nochmal viele Vorzüge und Nicht-Vorzüge der großen Stadt erfahren. Nicht nur die ganzen Fashion-Victims im Bereich der Queen St., sondern auch die vielen durchgedrehten, halbverrückten und kaputten Leute, die einen in der Yonge St. mit "Black History", "Praise the Lord" oder einfach nur frontales Auf-einen-Zusteuern-und-mit-Blicken-tötetend-Geld-verlangen maltretieren. Genauso die vielen üppigen Läden mit allen möglichen Konsumartikeln oder kleine zwielichtige Klitschen, je weiter man raus kommt. Auf der Spadina war dann auch noch ein chinesisches Straßenfest, bei dessen Gerüchen einem wahlweise der Magen knurrte oder kotzübel wurde (kleine gefrorene Fischis zum Lutschen - lecker!)... Um vernünftig (oder auch nicht) auszusehen (nicht bevor ich noch bei Calis und meinem Lieblingsinder mein Lieblingsgericht eingenommen hab - zur Feier des Jahres - mit anschließendem Nap im Hostel), hab ich mich dann in Chinatown noch zum Frisör getraut. $14 und der schnellste Schnitt meines Lebens. In 8 Minuten hat die Dame mir die Haare einen kleinen Tuck zu kurz geschnitten. Aber was solls. Bei einer feuchten Hitze von 30°C war das zumindest das kleinere Übel als die sonstigen Fransen aufm Kopp. Etwas paralysiert bin ich dann ins Hostel zurückgeschaukelt, habe ein bisschen weiter die Leitungen nach Europa erwärmt und ein bisschen müde (kleiner Jetlag von West nach Ost) rumgehangen, bevor ich dann den Rest (wer soll denn das alles auf einmal essen?) von meinem indischen Essen erwärmt, gegessen und dabei ein schniekes, etwa $100 wertvolles, Kershaw 1415st g10 ats 34 aus der Messerschmiede in Oregon gefunden hab. Yay! Bei meinem abschließenden Spaziergang durch das Financial District überkam mich dann doch etwas der Wehmut, während ich so am First Canada Place (vor dem höchsten Hochhaus der Stadt von der ältesten Bank des Landes, der BMO) vor mich hinsaß und mir den Hals beim Gucken ausrenkte. Zurückgeschlendert, vor dem CN-Tower nochmal verbeugt, bin ich dann ins Bett geschlüpft (die drei heißblütigen Portugiesen warn dann auch schon im Zimmer), habe mir - für die kulturelle Wiederangleichung - noch einen Tatort angeschaut und dann die lange schlaflose Nacht angetreten (morgens mit Blut auf dem Kopfkissen - woher? Keine Ahnung. Mein eigener kleiner Tatort...). Aber so ists wohl nach 360 Tagen Kanada, 137 Blogeinträgen, über 3040 Klicks, einem Studienabschluss, einer Reise durch den Westen (und natürlich auch an Punkte des Osten) und vor der Rückkehr in alte Verhältnisse und wartender Aufgaben in Bamberg und co. "Mixed Feelings" nennt sich das im Englischen. Heute Abend um 18.40Uhr geht mein Flug, Ankunft ist morgen um 8:25Uhr in Frankfurt. Dann geht es mit der DB im ICE (oh Gott, wenn das mal gut geht bei den ganzen Pannen dieses Jahr...) nach Hildesheim, wo ich um 13.32Uhr aufschlage. So zumindest ist der Plan.

Ein Fazit? Ich glaube, dafür bräuchte es mindestens nochmal 360 Tage. Deshalb, liebe Leute, vielen Dank für eure Treue, es war mir eine Ehre - ich freu mich auf ein Wiedersehen vis à vis!

Ich verneige mich.
Und der Vorhang geht zu.

Samstag, 28. August 2010

Wow! 3000!

Jetzt hat der Blog soviele Klicks, wie viele der Rocky Mountains hoch sind. Wahnsinn! Und vielen Dank! Wer hat denn da so fleißig rumgeklickt? :)

Ende Nr. 1 - I'm bidding farewell, Western Canada

Die Reise neigt sich dem Ende zu, nach einer Woche Vancouver gehts morgen (also für euch heute) um 14Uhr per Air Canada wieder nach Toronto zurück. Dort bleibe ich noch zwei Tage im Canadiana und dann geht mein Flug am Montag um 18.40Uhr Ortszeit zurück nach Deutschland. Es kann also passieren, dass dies hier der letzte Eintrag mit Bildern ist, die etwas Neues zeigen - denn Toronto kennen wir ja nun schon ganz gut. An dieser Stelle also erstmal vielen lieben Dank fürs Mitverfolgen! Über 2900 Klicks (los, die 3000 knacken wir noch!) in einem halben Jahr (die vorher wurden leider nicht gezählt) sind unglaublich! Hoffentlich war das Lesen (bzw. oftmals das Bildergucken?!) genauso spaßig für euch, wie das Schreiben für mich. Ich jedenfalls werd das Blogschreiben tendenziell vermissen - sonst hätte ich es ja auch nicht über 12 Monate aufrecht erhalten können... also geneigter Leser: vielen Dank! Mit dem 'kleinen' Ende der Reise für morgen, kann ich sozusagen schonmal ein bisschen Proben für den 'großen' Abschied am Montag. Aber noch ist nicht aller Tage ende. Irgendwas kommt bestimmt noch und außerdem können wir uns dann demnächst persönlich über meine Eindrücke in Kanada unterhalten - und in Buchform gibt es das Ganze ja dann auch (zumindest als rare 1er Auflage im Selbstverlag)!
Der letzte Tag war recht gemächlich. Eigentlich habe ich das Gefühl, den ganzen Tag nur vor einem Computerbildschirm gehangen zu haben, obwohl kaum jemand online war (und das an nem Regentag). Ich hab auf meinen Online Check-In gewartet, um mir einen Platz am Notausgang sichern zu können, die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen durchforstet, die online Magzine leer gelesen und dann - mit kurzer 45-minütiger Unterbrechung auf dem Weg dahin - gab es das Aquarium. Im irrgartenartigen Stanley Park habe ich heute übrigens meine ersten (und wohl letzten) zwei schwarzen Eichhörnchen in Vancouver gesehen, als dann noch eine dreiköpfige Waschbärenfamilie aus dem Wald heraustrat, war endlich bewiesen, dass es auch hier (wenn auch sehr viel weniger) Tiere in der Stadt gibt (abgesehen von Raben und Möwen)... Vor den Scheiben der Aquarien jedenfalls hatte man dann wieder teilweise auch das Gefühl, vor einem Bildschirm zu stehen (wenn man das nicht real auch tat). Das Aquarium habe ich bis heute aufgeschoben, weil ich es mit $21 für Studenten doch recht teuer fand. Inzwischen habe ich aber herausgefunden, dass das Aquarium quasi nur ein Anhang für eine Forschungsstation ist, in der nicht nur geforscht wird, sondern auch vielfältige Schutzprogramme für die kanadische Westküsten und Ozeanregion organisiert werden. Der Laden ist also eine nicht staatlich unterstützte Non-Profit Organisation, weshalb das Geld also für einen guten Zweck ist. Nun denn, so tat der Preis garnicht mehr so weh. Drinnen gab es dann auch einiges zu sehen. Nicht nur verschiedene Klimazonen wie die Tropen oder die Arktik warteten mit ihrer Wassertiervielfalft auf, auch gabs eine große Sektion, die ausschließlich die Schätze in den Gewässern British Columbias zeigte. Dazu gehörten auch die in großen Becken draußen untergebrachten eleganten Delfine, beeindruckende Belugas, niedliche Seeotter und faule Seelöwen. In den Aquarien drinne war alle mögliche bunte Vielfalt zu sehen, von Korallen über Katzenhaie, Riesenschildkröten und sonste was. Konnte man sich alles garnicht merken. Spannend war der BBC 3D Film "Shallow Seas", der im - oho - 4D Kino des Aquariums gezeigt wurde. Nicht nur durfte ich also mal die 3D-Kinotechnologie kennenlernen. Nein noch mehr. Man durfte das alles quasi am eigenen Leibe erleben. Klatschte ein Delfin zurück ins Wasser wurde man (ein bisschen) nassgesprüht, krochen Seesterne über den Meeresboden vibrierte der Sitz, filmte die Kamera über dem Meeresspiegel wehte ein Wind durch den Raum und als die Seeschlange beim Jagen zugriff, wurde man von hinten angepoket. Aufregend. Übrigens ist das Aquarium Vancouver eines der ältesten öffentlich-zugängigen Aquarien weltweit (eröffnet 1956), zudem das größte in Kanada und unter den fünftgrößten in Nordamerika. Im Anschluss hab ich mir noch die Belugawalshow angeschaut und bin dann wieder, halb verhungert, richtung Hostel gelaufen. Rechtzeitig noch den Hungertod abgewendet, habe ich anschließend eine Dusche genommen, meinen Kram soweit wie möglich gepackt, mich unfreiwillig mit dem ekligen alten Ami (ignorantes Arschloch, steht um 4 auf und geht 13x zwischen Bad und Zimmer hin und her und lässt die Tür knallen, schmeißt seinen Koffer 5x um und nimmt auch sonst keinerlei Rücksicht auf die restlichen drei Zimmergenossen) ohne Zähne unterhalten und nun vertändel ich noch meinen Abend. Cheers!

Gegen 14Uhr klarte das Wetter etwas auf, blieb aber von launischem Äußeren, hier die Skyline vom Stanley Park aus, wo das Aquarium lokalisiert ist...

...in dem sind wiederrum faszinierende Geschöpfe beheimat, hier eine Riesenschildkröte,...

...die in teilweise schön nachgebauten Unterwasserwelten umherschwammen...

...dich aus dem eigenen Terrarium anglotzten (Such die Augen!)...

...oder schnell die kurve kratzten, wenn die ganzen schreienden Kinder angestürmt kamen.

Hier noch eine Meeresblume aus dem Hollywood des Nordens, wie die Stadt wg ihres Filmengagements auch genannt wird.

Quallen. Hinter Glas am schönsten...

...und immer so beruhigend, hach.

Am frühen Abend dann, war das Wetter gut... da hieß es dann: Tschüss, Vancouver...

...und vorbei am Yachthafen gings zurück ins West End für die letzte Nacht.

PS: Mein Handy scheint sich übrigens auch langsam zu verabschieden. Erzählt mir immer, der Speicher sei voll, obwohl das völliger Quatsch ist. Zumindest kann ich keine SMS schreiben und offensichtlich auch nicht empfangen. Alles was mit dem Telefonspeicher zutun hat (ich nehme an, nach den Jahren ist der Arbeitsspeicher zugemüllt), will nicht. Nur das ihr bescheid wisst. Ab dem 1.9. bin ich außerdem (mit einem anderen Handy...) wieder unter der bekannten Handynummer, die ich schon seit Jahren hab, erreichbar!

Freitag, 27. August 2010

Arbeitsaufträge

Der Tag heute, der vorletzte meiner Reise, stand eher unter dem Stern einer praktikableren Ausrichtung. Für meine Flüge wollte ich mir noch eine Transporttasche besorgen, damit mein Cerro Torre nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Außerdem war ich noch auf der Suche nach einer günstigen Version des von Jill und Greg empfohlenen Romans "The Outlander" von dem kanadischen Autor Gil Adamson, den ich zwar schon für $18,90 im Davie Village um die Ecke entdeckt hatte, aber das musste doch irgendwie noch günstiger gehen... Um das zu gewährleisten, habe ich mich von der Downtown-Halbinsel heruntergewagt, über die False Creek hinaus und im Zuge dessen gleich vier weitere Stadtteile erkundigt - um das Stadtkennenlernen mit den Arbeitsaufträgen zu verbinden. Nach dem Wie-immer-Frühstück und ein bisschen Telefoniererei (endlich hat das Skypen bald ein Ende...) brach ich zuerst ins Szeneviertel Kitsilano auf, über die gewaltige Granville St. Bridge, vorbei an den berühmten Granville Island Markets, gings direkt dort hinein. Es hielt mich aber nicht lange und so marschierte ich weiter, in Richtung meines Ziels, dem nachhaltig organisierten Mountain Equimpent Coop-Store im Stadtteil Mount Pleasant. Der Weg dorthin führte mich durch South Granville, entlang einer groooooßen Einkaufsstraße direkt vor die Füße des Ladens. Drinnen schnell fündig geworden (zuerst unschlüssig ob passend - aber wenn nicht, kann ich in Toronto umtauschen), zwischendurch von Deutschen (die deutsche Plage greift um sich...) für einen Kanadier gehalten (letzte Nacht: 4 Betten, 4 Deutsche... es wird immer schlimmer) und schließlich zugeschlagen. MEC arbeitet auf einer Non-Profit-Basis, was die Preise für Outdoor-Equipment hier fast unschlagbar macht. Ein 1% jeder Rechnung geht des Weiteren in Umweltprojekte. Allerdings muss man so vornehmlich mit der Hausmarke (die ganz gut ist!) und zwei, drei anderen Anbietern leben (ich als Lowe Alpine-Fan hab also schlechte Karten dort, bin aber trotzdem Mitglied). Das Buch habe ich übrigens in South Granville aus einem Used Books-Store gefischt, für $9 statt $19! Bin mal gespannt... Nach kurzer Nahrungssuche trat ich dann meinen Rückweg durch den Stadtteil Yaletown (auf der südlichen Hälfte der Downtown-Halbinsel) an. Gabs noch irgendwelche besonderen Vorkommnisse? Wie mans nimmt: ein überfahrenes Stinktier, das seinem Namen sehr gerecht wurde; ein ordentlicher Brummer im Rollstuhl, dem ich beim Erklimmen des Bürgersteigs half (durch meine Naivität war mir das Gewicht nicht so richtig bewusst - hat aber geklappt); und zu guter Letzt: die Vorstellung das mich der "Cirque du Soleil" verfolgt (den Montréaler Zirkus konnte ich nun bereits in Auckland, Perth, Hamburg, Nürnberg, Hannover, Toronto, Montréal und - heute - Vancouver entdecken...). Zurück im Hostel erwartete mich ein weiterer Arbeitsauftrag: nochmal finale Bachelorarbeits-Revision. Drückt alle die Daumen, dass das Ding nun zum Wochenende fertig wird! Wir wollen doch alle unsere Tassen im Schrank behalten... Der geplante Besuch im größten Aquarium Kanadas wird somit das Bonbon für den letzten Tag werden, denn heute wartet nurnoch ein traditioneller Abendspaziergang und mein neues Buch! Macht aber nix, morgen solls dann eh Regen geben (der hat sich heut Nacht schonmal vorgestellt, allerdings hat das die Stickigkeit im Zimmer nicht beseitigt...).

Von der riesigen und recht hohen Granville St. Bridge aus bekommt man Ausblicke auf die Stadt, die hier wie aus einer Stadtplanungs-Animation ("Wir verschönern den Anblick Vancouvers, tilgt die Industrie, schafft Wohnfläche!") aussieht...

...auf der anderen Seite der False Creek ist dann der Granville Island Market auf seiner eigenen kleinen Halbinsel für Shoppingsüchtige...

...während man die Downtown-Welt hinter sich lässt (man beachte: Die Brücke ist 8-spurig - hier sieht man nur die vier Spuren der Westrichtung).

Die False Creek (übersetzt: "Falscher Bach") ist ein etwa 2km langer, Downtown begrenzender Meeresarm, der ehemals für Industrie genutzt wurde, nun aber eine edle Wohngegend ist (die Brücke ist die Burrard St. Bridge)...

Übrigens: Um die Berge mit auf die berühmten Panorama Bilder von Vancouver zu bekommen, wird die Stadt immer von Mount Pleasant aus fotografiert oder aber nur der Stadtteil North Vancouver muss herhalten. Vom Wasser aus gesehen, unterstützen keine Berge das Stadtäußere!

Donnerstag, 26. August 2010

Geben Frauen in Gemälden Telefonnummern?

Mein erstes qualitativ wertvolles Gespräch heute morgen drehte sich etwa um das, was die Überschrift suggeriert. Der proteinshakekonsumierende Mittvierziger, John übrigens, griechischer Abstammung - er ist gerade auf einer Promotiontour für den Kram durch Kanada - der bis heute über mir genächtigt hat (man gut, dass das Bett bei all dem Muskelgewicht nicht zusammengebrochen ist), fragte mich, was ich gestern gemacht hätte. Als ich bei der Artgallery angekommen war, fragte er mich, obs da viele Mädels gebe - woraufhin ich nur antworten konnte: "Sicher, vor allem in den Bildern, die dort hängen." Vielleicht hat er mich nicht verstanden, jedenfalls fragte er mich, ob ich viele Nummern absahnen konnte. Als ich dann meinte, dass ich mit Calis Telefonnummer schwer zufrieden bin, guckte er mich ungläubig an. "Na son bisschen nebenbei, hm? Nich? Oh." Prost. Guten Morgen auch. Um nicht Gefahr zu laufen, gleich einen Hirnkollaps zu erleiden, habe ich dann schnell den Raum verlassen und bin zum Frühstück aufgebrochen - und John ward nie wieder gesehen. Auch nich so schlimm. Vielleicht hat der Judit aus dem Gemälde von Caravaggio oder der Gentileschi angerufen. Da soll man ja mal schnell den Kopf verlieren. Nebenbei bemerkt übrigens: ständig läuft man hier in Vancouver Leuten über den Weg, die man in den letzten Wochen woanders getroffen hat, darunter z.B. der Küchen-Schotte aus Banff oder der unsympathische Zimmerkollege von dort, der nichtmal "Hallo" sagen konnte (hatter übrigens noch immer nicht gelernt), oder aber zwei Asiaten, die mit mir in Victoria auf den Bus gewartet haben. Vancouver ist eben der große Ein- und Ausgangspunkt hier im Westen! Auf dem Programm standen heute dann zwei Bezirke der Stadt, die ich vorher noch nicht gekreuzt hatte. Am Rande Downtowns steuerte ich zunächst Gastown an. Gastown ist die historische Keimzelle Vancouvers, die in den 1860ern zu sprießen begann. Benannt ist der Ort nach "Gassy Jack", dem ersten Wirt der Stadt, der für seine Geschwätzigkeit (engl. "gassy") berühmt war. Wahrzeichen der kleinen historischen Enklave ist eine Dampfuhr aus der gleichen Zeit - die erste ihrer Art weltweit. Funktionieren tut das Teil etwa so: Die Uhr hat einen mechanischen Pendelmechanismus. Durch einen Paternoster und das Gewicht von umlaufenden Kugeln wird der dann angetrieben. Die erwähnten Kugeln werden von einer Dampfmaschine im Inneren der Uhr wieder nach oben befördert, dieser Wasserdampf stammt aus der Fernheizung des Viertels. Und so raucht die Uhr dann so vor sich hin. Verstanden wies geht? Ich auch nicht. Wie auch immer. Zur vollen Stunde gibt die größte der fünf Dampfpfeifen einen Ton sich, die vier kleineren spielen zu jeder Viertelstunde den Westminsterschlag. Nachdem Gastown schnell als Sägewerk und Hafen wuchs, zum Finanz- und Handelszentrum im Westen wurde, erhielt das Örtchen 1886 dann das Stadtrecht und hieß fortan "Vancouver". Wäre das auch geklärt! Wer auch immer mochte das aber offensichtlich nicht, und so brannte die Stadt noch im gleichen Jahr nieder. Schwupp war der Stadtteil Gastown bis auf zwei Häuser wieder futsch. Bis 1920 hat der Wiederaufbau dann gedauert. Heute ist das Viertel eine nette Flaniermeile, mit älteren Fassaden, ner Menge Souvenirshops und teuren Restaurants, wies eben so ist. Um den Kontrast zu der westlichen Konsummeile zu bekommen, führte mich mein Weg schließlich weiter ins nahegelegene östliche Konsumviertel: Chinatown. Dieses Chinatown ist nach San Francisco das zweitgrößte in ganz Nordamerika (und ich dachte Torontos wär groß...). Hier sieht es teilweise wirklich wie im fernen Osten aus, wenn man zum Beispiel die funktionalen niedrigen Betonbauten betrachtet, oder aber die an klassische chinesische Architektur angelehnten Häuser. Um mir gleich den Asien-Overkill zu geben, bin ich dann noch durch die Reste von Japantown geschlappt, wobei das mittlerweile fast vollständig von den Chinesen okkupiert ist. Man gut, dass das keine politischen Repräsentationsinstanzen sind... Dort vagabundierte ich etwas in einem japanisch aufgemachten (und ein bisschen vernachlässigten) Park herum. Eigentlich dachte ich, dort was günstiges Essbares zu finden, pustekuchen - oder ich war an den falschen Stellen. Konnte ja aber die Schilder nich lesen. Blöde Kombi. Also zurück nach Downtown, auf Essenssuche, weiter an meiner Gebe-Ich-Obdachlosen-Geld?-Meinung gearbeitet und anschließend zurück ins Hostel. Nach einer weiteren Bachelorarbeits-Korrekturrunde und einer Dusche (ruhigste Zeit abgepasst und holladiewaldfee war das warm heut...) fühle ich mich nun wie neugeboren und schlappe nachher nochmal in die Stadt für meinen Abendspaziergang. Hier nun aber die Dokumentation des heute Gesehenen:

Die 600.000 Leute müssen ja übrigens irgendwo wohnen: Was ihr hier seht, ist die vorherrschende Architektur für Wohnhochhäuser. Genauso wie bei der großen Konkurrentin Toronto und überall anders...

...türmen sich die Teile in Grün- und Blautönen und viel Glas in die Höhe.

Nach etwa 20 Min. Fußmarsch dann kommen ein paar Gebäude mit weniger Stockwerken...

...Vancouvers Keimzelle Gastown wartet dann mit Fassaden aus den letzten hundert Jahren...

...und lädt zum Flanieren ein...

...dann kommt man an der ersten Dampfuhr der Welt vorbei...

...die vor sich hindampft und pfeift. Anschließend gehts weiter...

...doch so schnell man kam, so schnell ist man irgendwie wieder draußen...

...und plötzlich steht man in Chinatown: hallo!

Dann ein kleiner Abstecher in den japanischen Park...

...dessen traditionelle Ansicht sich nett mit den modernen Hochhäusern bricht.

Ein kleines Einod in der großen Stadt...

...doch schaut, da im Hintergrund...

...da schließt sich der Kreis: die typischen Wohnhochhäuser.

Übrigens sah das Wasser ziemlich 'umgekippt' aus.

Achja, ein Nachtrag: Hier hatte jemand einen berechtigten Einwand gegen den vielleicht zu unbedacht gestrickten Werbeslogan einer Jeansfirma... oder?
(Freie Übersetzung: "Jedermanns Arbeit ist gleichermaßen wertvoll." - Daneben handgeschrieben: "Und wie steht's da um Josef Mengeles [Arbeit]?")

Und der zweite Nachtrag nach dem Abendspaziergang: Ich hab die hutzeligste Kirche, die jemals den Titel "Kathedrale" trug, entdeckt - die Christ Church Cathedral in Vancouver:

Gute Nacht!

Mittwoch, 25. August 2010

Trés bon!

Nach einer unruhigen Nacht im 15m² Paradies des Männer-Odeurs, bevölkert von nem arroganten BWL'er, einem Mittdreißiger, sowie einem Mittvierziger auf der Suche nach Freiheit, Abenteuer, hust, und ihren Hirnen, beschloss ich, den Tag gemächlich anzugehen. Auf das Frühstück (bestehend aus Bagels, braune Bananen, lieblos zerhackte Äpfel, Marmelade und Erdnussbutter aus Riesenpötten und dauernd leeren O-Saft-Packungen), das ich mir wie immer quälend langsam reingeschoben hab, folgte zunächst eine ausführliche Nachrichtenlesphase, bestehend aus der "Vancouver Sun", "The Provence" und den üblichen Online-Nachrichtenmagazinen. Um dem Zimmer für soviele Stunden wie möglich am Tag zu entkommen, suche ich mir meist ein Plätzchen in der Bibliothek (Euphemismus...), dem Games-Room (dort gibts PacMan und StarFighters - eher old school also...) oder dem TV-Room. Da alles andere besetzt war, wählte ich den TV-Room, wo ich denn ca. 15 Min. Ruhe hatte. Anschließend kam ein halbstarker Amerikaner in meinem Alter hinzu, der unbedingt morgens um kurz nach 9 erstmal seine Portion Fernsehen brauchte: Was stand auf dem Programm? Natürlich Wrestling und CSI: Miami. Oh my. Herzlichen Glückwunsch. Nach etwa einem Stündchen kamen noch zwei Mädels hinzu, an die Ersterer schließlich die Fernbedienung abgab. Weiter gings dann also mit "Buffy - Die Vampirjägerin." Auch gut. Seltsam übrigens, dass außer mir keine anderen Deutschen den TV-Room bevölkerten - denn die Deutschen sind hier überall. Die meisten gut von Mami & Papi ausgestattet und im arrogant näselnden Ton ("Alsso des Dess Velli, nee, des kannste skibben, es sei denn mogscht Steine, ne. Abba ich muss unnbedingt nach Les Veges. Des soll ne dodal schönne Schtadt sei. Nää nää, alsch midde Moddorrad gefahrn bin, fandsch des Grend Kenjon nich so dolle. Abba LE is ne suppa Schtadt." - Hat schon jemand erwähnt, dass wir in Kanada sind? Was spricht man hier eigentlich? Kanadisch? Und (so ein belauschtes Gespräch) was spricht man in Schweden? - Äh, Schwedisch? - Oh, achso. Und in Brasilien? Brasilianisch? - Äh, Portugiesisch?) . Ich vermeide inzwischen mich als Deutscher zu outen und bin fortan nurnoch ein Kanadier aus Toronto. Selbst meinen (fast jede Nacht nun) deutschen Zimmergenossen gegenüber. So lebts sich besser. Um 12 dann hatte ich mich nochmal mit Julia und Jogi verabredet, die gestern am Ende ihrer 11-tägigen Reise (zum Vergleich ich hatte fast 5 Wochen) angekommen waren. Nach einem kurzen Spaziergang zum Sunset Beach gabs noch ein bisschen Gequatsche, Füße in den Pazifik halten und Abschlussbilder machen. Der weitere Verlauf des Tages hielt für mich vor allem ein Besuch in der Artgallery Vancouver bereit, nicht ohne vorher noch in der Stadt auf die klassische Essensjagd zu gehen. Übrigens ist hier sehr auffällig, wieviele übermäßig aufgebrezelte In-Style Leute (weniger Pals in Jogginghose und FlipFlops als in Ontario) sich mit einer ordentlichen Anzahl an Bettlern und Verwirrt-wirkenden kontrastieren. Mein Lieblingsbettler sitzt vorm Wendy's in der Alberni St. Nicht nur versucht er sich halbwegs ordentlich anzuziehen, lächelt freundlich und hilft dem Postboten beim Einladen, auch steht auf seinem Schild - im Gegensatz zu manch anderem - eine klare Botschaft: "$1,70 sichert mir einen trockenen Platz zum Schlafen.". Der Kollege um die Ecke in der Thurlow St. hat "Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich Bier zum Überleben brauche." auf seinem Schild stehen. Wer zieht also mehr Sympathien auf sich? Das Problem ist ja nun, dass, wenn man etwas geben KANN, immer gleich der pädagogische Auftrag im Hinterkopf steckt ("Ich geb nix, der kauft eh nur Drogen."), bzw. uns als Ausrede fürs Nichtgeben dient. Aber sollten wir uns wirklich zum Pädagogen aufschwingen und - ich wiederhole, wenn man es sich leisten kann - deswegen nichts geben? Das ist eine der Fragen, die mir beim Angesicht der vielen Bettler in den nordamerikanischen Großstädten (Vancouver ist mit 600.000 Einwohnern im Innenstadtbereich übrigens recht klein, hat dafür aber 2.2 Millionen im großen Umkreis und ist damit Platz 3 in Kanada) beschäftigt... Nicht nur stoppen für den - positiv hervorgehobenen - Bettler Leute für einen kurzen Plausch. Als ich bei Wendy's war, brach der Typ neben mir unerwartet auf, nahm nur seine XXL-Coke und ging. Den Rest, Burger und Pommes, ließ er unangerührt. Als ich ging (ca. 15 Min. später), wies ich den Kumpel vor der Tür darauf hin, worauf dieser dankend ablehnte. Auch nicht schlecht. In Form der Artgallery dann tut sich ein im Hochhaus-Dschungel (der höchste Turm, schon unten mit Olympic Cauldron abgelichtet, ist übrigens 'nur' 200m hoch) wohltuendes Gebäude auf. Das fünftgrößte Kunstmuseum Kanadas, das größte seiner Art im Westen, ist nämlich im ehemaligen Obersten Gerichtshof B.C.'s untergebracht: einem neoklazzisistischen Bau aus dem Jahre 1906. Mit seinen ionischen Säulen, der zentralen Kuppel, Wandreliefs (in Alaska-Marmor) und dem Portikus ist das Gebäude einer Kunstgalerie absolut würdig und wirkt schwer einladend. In der Tat, vor der Haupteingang schlängelte sich schon eine ordentliche Menschenmasse in die Warteriege. Denn es war Dienstag, 17Uhr, und das bedeutet, dass der Eintritt auf einer selbstgewählten Spende basiert, woraufhin man trotzdem bin 21Uhr (und nicht etwa wie anderswo bis 18Uhr) Zeit hat, auf den vier Stockwerken umherzuwandern. Während des Wartens quatschte ich ein bisschen mit einem kanadischen Ehepaar, das selbst aus Ontario und Quebéc kam, Vancouver aber wg der schönen Szenerie zu seinem Zuhause gemacht hat. Anschließend konnte ich die beiden noch beruhigen, dass die Schweiz ein sehr schönes Ziel für das Auslandssemester der Tochter ist und dann trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Drinnen dann hatte ich Glück bei den Ausstellungen, denn in der ging es um Zeichnungen von Degas, Manet, Pissarro, Toulouse-Lautrec, Gauguin, Renoir, Rodin, Daumiér und anderen Künstlern des Paris im 19. Jahrhundert - das Thema: "Die moderne Frau". Herrlich spannend - nett vom Musée d'Orsay in Paris! Und einige meiner Favoriten von Degas waren auch darunter. Auch spannend waren die restlichen Ausstellungen, nicht nur Bilder der berühmten Kanadierin (und Group of Seven-Mitglied) Emily Carr und mit ihr kommunizierenden Künstlern (einer der Wachleute wies mich netterweise auf ein verstecktes Bild im Bild hin, nicht bevor er fragte, ob ich verheiratet sei, denn es war, oho, eine Szene zwischen Mann und Frau. Nur soviel dazu), sondern auch eine anziehende Videoinstallation von Fiona Tan, die sich mit Erinnerung, Identität, Altern und Natur beschäftigte und - aufgrund der wunderbar ansehnlichen und ruhigen Bilder - eine Menge Leute anzog. Da hätte man Stunden zuschauen können, wenn zwischendurch das Rauschen der Niagara Fälle oder des Meeres den Raum in einen ohrenbetäubenden Sound tauchten. Des Weiteren beschäftigten sich die Ausstellungen mit Kerry James Marshalls Gemälden über die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit Afro-Amerikanischer Menschen in der nordamerikanischen Geschichte und es gab noch Fotografien, die als Zeitzeugnisse furchtbarer Ereignisse, wie des Zweiten Weltkriegs, der Konzentrationslager, des Vietnam Kriegs oder Rassismus usw. das Vergessen anklagten. Alles in allem eine spannende Mischung also! Von der Artgallery zufriedengestellt lief ich anschließend noch ein bisschen durch das nächtliche Vancouver, in dem sich seltsame Gestalten rumtrieben, von denen man allerdings wusste, wo sie hinwollten: Lady Gaga war in Town. Und genauso gaga sahen manche von denen aus :D Am Ende recht abgekämpft bin ich über die Granville zurück zur Davie St. und ins Hostel geschlappt, um den Abend mit ein bisschen Elli-Bachelor-Arbeit-Korrektur ausklingen zu lassen.

In der Howe St. findet sich eine kleine architektonische Oase mitten in Downtown...

...das die Artgallery umzingelt. Hier der Brunnen zur Feier der Vereinigung der Kolonien Vancouver Island und B.C.

Auf den Treppen der Artgallery versuchen sich Skater in halsbrecherischen Manövern - hier im Stürzen...

...so wie die Sonne auch sinkt, nur um einiges sanfter.

Spiegelung der Artgallery im Glasmeer drumherum.

Das Gebäude ist übrigens auch Innen nett anzusehen.

Künstlerisch gabs dann verschiedene Leckerbissen, hier die beruhigende Videoinstallation von Fiona Tan auf zwei simultan laufenden Screens...

...oder hier eine schön wirkende Antwort auf Emily Carrs Beschäftigung mit den First Nations...

...oder der Landschaft Kanadas. Hier eine Waldbrandszene: ein gedrucktes Foto und dann mit Wischtechnik bearbeitet. Sieht live sehr viel besser aus, glaubt mir. Aber Fotos warn natürlich verboten.

Zum Vergleich: hier ein Bild von Emily Carr.

Hier ein tricky Bild von Marshall zur Unsichtbarkeit der Schwarzen. Schwarze vor schwarzem Hintergrund und doch so viel zu sehen.

Hier eins meiner Favorites von Degas...

...und hier meine Nr. 1 von diesem Künstler.

Nach 3 1/2 Std. hieß es dann: tschüss, Artgallery...

...und: hallo, dämmerndes Downtown...

...dessen Osthälfte ich dann in den Abend hinein noch erforschte...

...vorbei an so einigen Gebäuden...

...die, wie der Rest der Stadt, in Hochglanz leuchteten.