Tada!
Sonntag, 31. Januar 2010
Schaffe, schaffe, Häusle schaue
Als ich letztens durch dieses inzwischen ganz schön gewachsene Monster scrollte, fiel mir auf, dass das Häuschen, in dem ich acht Monate meiner Zeit hier verbringe, zwar öfter von Außen abgelichtet, mein Zimmer natürlich mehrfach dargestellt wurde und andere Räume zwangweise als Ambiente auf Fotos auftauchten - ABER wie das Haus sich insgesamt gestaltet, ging bisher eher unter. Da es aber vielleicht interessant ist (nicht zuletzt für meine Erinnerung irgendwann mal), bekommt dies nun also einen eigenen Eintrag. Ein Libeskind-Häuschen ists natürlich nicht, aber im Gegensatz zu anderen Wohnheimen (ich denke hier an Südfranzösische...) wohl doch Luxus mit Pappwänden. Dafür kosts aber auch sein ordentliches Geld (ca. 390€ im Monat)...
Lokalisiert ist das Ganze - wie bekannt - im Columbia Lake Village...
...dem 'beschaulichen' Studentendörfchen.
Dort befindet sich auch das Haus Nr. 100 (das linke Fenster der oberen Reihe ist meins), mit einem Mitbewohner namens:
(Die 58 bitte umgedreht denken, dann passts...).
Durch die Haustür gehts in den Vorraum zum Schuhe abstreifen...
...von dort aus gelangt man durch eine weitere Tür in den Flur (rechts herum)...
...oder direkt gerade aus in das Esszimmer...
...am Ende des Flurs befindet sich das Wohnzimmer (hat ein bisschen was von Gefängnisaufenthaltsraum, wa? Aber schöne große - unvergitterte - Fenster!).
Die offene Küche (man beachte den riesigen Kühlschrank und den riesigen Herd) verbindet Ess- und Wohnzimmer.
Die Treppe rauf (na, das hat doch ein bisschen was von Libeskind, oder?), gehts zu den vier Zimmern und dem Bad.
Der Blick aus meinem Zimmer, rüber zu Haitham.
Schlussendlich das Bad, mit mir im Sonntags-Lommel-Look...
...und die Umgebung läd nach wie vor (jaja, das Semester läuft wieder) zu späten Spaziergängen bei klaren -20°C.
Tada!
Tada!
Freitag, 29. Januar 2010
Private Prof's und Faust (ge)schlag(en)
"Habe nun, ach! Philosophie,/ Juristerei und Medizin/ Und leider auch Theologie/ Durchaus studiert, mit heißem Bemühn./ Da steh ich nun, ich armer Tor,/ Und bin so klug als wie zuvor!" - Bruno Ganz in dem berühmten Anfangsmonolog zu Goethes "Faust"...Heute hatten wir mal wieder einen Abend bei einem der Prof's Zuhause. Diesmal war es Dr. John (wie schon am Anfang des Jahres, als wir bei ihm grillten), der dienstälteste Prof und mein künftiger Supervisor für die Master-Arbeit. Neben einer kleinen Vorlesung, die er uns an seinem selbstgebauten Katheder gab, haben wir Pizza gemacht, allerlei Snacks verschlungen und so einen herrlichen Nachtisch aus Erdnussbutter, Sahne, Keks, mit Schokoladendecke von seiner Frau Cathy serviert bekommen. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, nachdem wir gestern in unserem "Stammclub", dem Phil's waren und ich heute morgen etwas konfus in den Tag gestartet bin. Wozu die Schleimerei? Nix Schleimerei. Wir wurden eingeladen, nämlich um zu Feiern. Was es zu Feiern gab? Das wir uns zu den wenigen Menschen zählen können, die behaupten dürfen, Goethes Faust I und II Vers für Vers gelesen/gehört zu haben.
Der 13 1/2-stündige Theater-Marathon, den Peter Stein im Jahr 2000 für die EXPO in Hannover auf die Bühne gebracht hat, wurde natürlich auch auf DVD gebannt. Und so gab es die letzten Wochen geballte 12.111 Verse, in der Hauptrolle mit Bruno Ganz und Adam Hunger-Bühler, zu hören - passend zu meinem momentanen "Faust Intercultural"-Seminar.
Also, den "Faust" mal wieder rausgekramt und mal wieder ein bisschen nachlesen. Steckt doch Einiges drin und außerdem erkennen wir ja nur am farbigen Abglanz das Leben. Sachte da mal einer, irgendwann. Irgendwozu und Irgendworum.
Donnerstag, 28. Januar 2010
Deutsch-Kanadisch-Arabische Verständigungen
Übrigens, nachdem meine deutschen Mitbewohner akute Fluchtgefühle überfallen haben, wurde ich mit drei neuen, bunt gemischten Wegstreitern ausgestattet. Die sollen für euch natürlich nicht außen vor bleiben und so stelle ich sie (mit fotografischer Genehmigung) für euch einmal vor:
Das Ganze findet natürlich auf Englisch statt, was eine wunderbare Gelegenheit ist, seine eigenen Kenntnisse neben den Englischen Seminaren noch zu increasen... und Haitham im Halbgesang beim Beten zuhören mache ich übrigens auch gerne. Sehr harmonisch. Schee.
Nr. 1: 
Das ist Scott. Scott ist Kanadier. Um genau zu sein, Kanadier aus dem tiefsten Westen. Denn Scott ist aus Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island. Also hat er sich, für sein Semester in Waterloo (sozusagen ein 'Auslands-Semester', denn anschließend gehts zurück an die University of Victoria), auch gleich mal Arktis-Expeditions-getestete Winterschuhe besorgt. Denn in Ontario, da schneits ja mal, wohingegen Vancouver Island im Winter eher im Regen versinkt. Gemäßigtes Klima halt. Jedes mal wenn man Scottie begegnet wird man mit einem geschwungen "hey man, how's ya doin'" begrüßt und kann besten west-kanadischen Slang genießen. Er studiert übrigens Hydrologie, so dass er hier bei den großen Seen gut aufgehoben ist. Das ist auch der Grund für seinen Aufenthalt hier; danach will ihn seine Firma, die übrigens alles zahlt (so läufts hier für Grad-Studenten), zurück haben. Ansonsten trinkt Scott am Tag circa zwei Liter Milch, die er meist mit Protein-Pulver vermischt ("Hey Scott, willst du dein Zimmer streichen oder wofür is der Farbeimer da? - Äh, das ist Proteinpulver. - Oh, achso, okay."). Dazu gibts dann Salat mit Putenstreifen. Vielleicht möchte er seine schmalen 2 Meter ein bisschen in die Breite ausweiten. Wer weiß das schon. Ansonsten jedenfalls ein netter Kanadier aus dem Bilderbuch und der Jüngste der WG.
Nr. 2:
Das ist Ahmad Salam. Liebevoll auch 'Salami' genannt (inoffiziell natürlich). Ahmad ist 28 und der Älteste hier der Runde. Schließlich ist er auch Doktorand in Computer Sciences. Vornehmlich läuft Ahmad in seinem moslemischen Gewand herum oder aber in Jogginganzügen, die einen schwer an die frühen Neunziger erinnern. Sein Englisch ist gut, aber nicht sehr alltagsfähig, da es vornehmlich aus Wörterbuchwissen besteht. Das heißt, er weiß mehr Wörter als Scott, allerdings versteht er uns dann im Alltags-Englisch-Parlierenden manchmal eher schlecht. Da Ahmad das erste mal von Zuhause weg wohnt (natürlich staatlich finanziert - er ist Syrer, der allerdings in Saudi Arabien aufgewachsen ist und studiert hat - also kommen die Finanzen von dort - woher kamen gleich nochmal die meisten... hust, lassen wir das), lässt er auch schonmal eine Kartoffel für zwei Stunden vor sich hinköcheln und quittiert die Frage danach, ob er nicht meint, die wäre langsam gar, dass er nicht weiß, wie lang man eine Kartoffel kocht und deswegen müsste sie wohl noch ein Bissl... nun gut. Auch ein paar andere Dinge musste man ihm beibringen (z.B. was das Wasser wegwischen, nachdem er, vor dem Beten, seine Füße gewaschen hat, auf dem Bad-Counter angeht oder aber nach der Benutzung der Klobürste...). Ansonsten schnarcht er so heftig, dass die Wände nachts ein wenig vibrieren (thank god for the earplugs...) während er bei voller Festbeleuchtung schläft. Apropos Festbeleuchtung, die herrscht auch im ganzen Haus, wenn er morgens bei Sonnenaufgang aufsteht und dann um 7:15 im SEK-Look zur Uni aufbricht. Ist auch das erste Mal, dass er Schnee sieht.
Das ist Haitham. Haitham ist mein Liebster. Obwohl zunächst die Pasha-Alarmglocken angingen, als er mich breitbeinig auf dem Sofa sitzend fragte, ob meine Frau kein Englische könne (jottejott...), ist Haitham, gebürtiger Libyer (der nicht immer son Tuch trägt), gewissermaßen auch der Offenste von der Truppe. Zumindest findet zwischen uns ein regelmäßiger west-östlicher Austausch statt, der sich von Themen wie Martin Luthers Judenhass, den Holocaust, George W. Bush, Merkels Amerika-Affinität, die Sprache der Afghanen, das türkische Rechtssystem, den Koran und Betgepflogenheiten, bis hin über Mörikes vertonte Gedichte, Goethes Farbenlehre, Gaddafi und Italien(VS Frankreich)hass, den Irakkrieg, Afghanistankrieg, Selbstmordattentäter und zuletzt auch einfacher Essgewohnheiten, Frauenverschleierung, Rentensysteme oder Scharia in Libyen zieht. Sehr anregend. Manchmal jedoch auch sehr anstrengend, da, wenn man einmal das Gespräch mit Haitham begonnen hat, man sich dem Ganzen schwer wieder entwinden kann. Zudem ist sein Akzent (obwohl sein Englisch durchaus sehr gut ist) manchmal sehr anstrengend - aber ich lerne auch ein paar arabische Worte von ihm! Was die Fakten angeht, die er gerne und sehr selbstbewusst präsentiert, muss man sagen - nachprüfen bitte, denn manchmal ist es eben sehr selbst überzeugt (was nicht schlimm ist, kenn ich ja) und mitunter auch etwas kurz gesehen (die Frauen mögen ihre Verschleierung, das ist Mode!; Gaddafi ist ein netter Mann, schließlich hat Haitham ein Staatsstipendium für sein Computer Science-Studium...). Jedoch ist er für die korrigierte Sicht durchaus offen und so entwickeln sich mit ihm also die fruchtbarsten Gespräche - bei einer heißen Milch z.B. Insgesamt auf jeden Fall sehr herausfordernd und daher immer wieder spannend, wenn man sich dem nicht jeden Tag aussetzen muss.
Das Ganze findet natürlich auf Englisch statt, was eine wunderbare Gelegenheit ist, seine eigenen Kenntnisse neben den Englischen Seminaren noch zu increasen... und Haitham im Halbgesang beim Beten zuhören mache ich übrigens auch gerne. Sehr harmonisch. Schee.
Mittwoch, 27. Januar 2010
Babylonische Sprachverwirrung
Während ich (offensichtlich halb aufmerksam) meine Schülerchen korrigierte, fiel mein Blick (was will mir das sagen?) auf die auf meinem Regal stehende Nutella.
Und was erblicke ich da? "No preservatives!" Na, herzlichen Dank, da bin ich ja froh drüber... durch die überall zweifach vorhandene Ausschreibung aller möglichen Dinge (Englisch/Französisch) erschreckt man dann aber doch kurz im Dreick der Deutsch-Englisch-Französischen babylonischen Sprachverwirrung.
Und auch wenn ein Wort im Englischen immer so ca. sieben Bedeutungen hat, ist diese Angabe auf dem Rücken meines Nutella Glases (aus Plastik) harmlos. Glück gehabt.
Und was erblicke ich da? "No preservatives!" Na, herzlichen Dank, da bin ich ja froh drüber... durch die überall zweifach vorhandene Ausschreibung aller möglichen Dinge (Englisch/Französisch) erschreckt man dann aber doch kurz im Dreick der Deutsch-Englisch-Französischen babylonischen Sprachverwirrung.
Und auch wenn ein Wort im Englischen immer so ca. sieben Bedeutungen hat, ist diese Angabe auf dem Rücken meines Nutella Glases (aus Plastik) harmlos. Glück gehabt.
Dienstag, 26. Januar 2010
Ze Deutsch ist Fun! Ze Zeitgeist ist Wundabarrr!
Klingt nach geistigem Durchfall, was da in der Überschrift steht? Mitnichten. Das sind wunderbare Deutschlerner-Sätze. Der Urheber der zwei Obigen jedoch scheint auch kulturelles Hintergrundwissen zu besitzen, fühlt man sich doch an Hegel erinnert, wenn es um den Zeitgeist (dass es eigentlich 'Weltgeist' sein müsste, sehen wir jetzt mal nicht so eng, er lernt ja noch!) geht. Wie ihr ja wisst (spätestens jetzt), habe ich das Glück (oder die Crux), hier an der Uni als sogenannter Teaching Assistant (knackige gängige Kurzform: TA (tie äi).) zu arbeiten. Letztes Semester habe ich dabei (hauptsächlich online) einen Deutschkurs im zweiten Lernjahr betreut und Texte mit schönen Sätzen wie: "Hallo. Ich bin gut. In Wohnsimma eine Feuerstelle haben. Wann wir versammlung?" oder "Waterloo hat viele Anziehungskraft und Sehvermögen!" - hier ging es um die Wörter "attractions" und "sights" (und, dass Waterloo die hat, ist natürlich in sich auch eher gelogen) - korrigiert. Lustig, wenn einem nicht grad zum Heulen zumute war. Mein Klassenbester war übrigens ein Chinese (Endergebnis 96/100%)! Interessante Welt. Dieses Semester kümmere ich mich hingegen um einen auf Englisch abgehaltenen Kulturkurs, der sich mit Deutschland von der Gründung des Kaiserreiches bis Gestern beschäftigt. Hierbei geht es vornehmlich um Korrektur und Bewertung kleiner Essays bzw. Fragen, die sich aber wenigstens mit interessanten Themen à la Nietzsches Verhältnis zu Wagner oder Schnitzlers 'Lieutenant Gustl' auseinandersetzen. Da kann man wenigstens noch was lernen, obwohl mir nach 40 (und das sind dann nocht nichtmal alle) Antworten auch langsam das Hirnwasser klumpig wird. Aber solange nicht sowas wie "Elisabeth Förster-Nietzsche hat uns geholfen, Nietzsche besser zu verstehen und ihn lesbar gemacht, ohne einen negativen Einfluss auf sein Werk zu haben", steht, bin ich schon ganz zufrieden. Ist ja auch erst die vierte Woche des Terms...
Diese Kunstwerke sind übrigens von einem verzweifelten Deutschlerner in der Endklausur erstellt worden. Leider konnte das die Bewertung (bzw. sein Durchfallen) auch nicht mehr verhindern. Der Unterhaltungswert ist dafür umso größer:
Hegel-Porträt, nebst schlaglichtartiger philosophischer Zusammenfassung.
Nietzsche-Porträt ("Neitzsche ist micht pleased wit your philosophie proof"), Descartes-Remineszens ("OMG, ich bin LOL"), Kant-Andeutung ("OMG Reason LOL") und Auftritt des Jungen Werther als Emo ("Jung Werther ist reflection of mein Personal Götterramdung"), nebst einer konterkarierenden Darstellung der Verhältnisse vor dem 2. WK (Frankreich: stumm, mit Bart; GB: "Yo Deutschland, where's Poland?"; Deutschland: "I dunno"; Polen wird von USSR mit Waffe bedroht und schaut ziemlich bedröppelt rein.). Personalpronomen, die eigentlich in der Aufgabe gefordert waren, hat er übrigens keine geschrieben. Schade.
Der Klassiker: JFK ruft "Ich bin Ein Berliner" und hebt dabei den rechten Arm. Auslegung dieser Geste unklar. Unten noch ein tanzender "TechnoViking" zu sehen. Meint vielleicht die Untergrund-Techno-Szene des Prä-Mauerfall-Ost-Berlins?
Diese Kunstwerke sind übrigens von einem verzweifelten Deutschlerner in der Endklausur erstellt worden. Leider konnte das die Bewertung (bzw. sein Durchfallen) auch nicht mehr verhindern. Der Unterhaltungswert ist dafür umso größer:
Hegel-Porträt, nebst schlaglichtartiger philosophischer Zusammenfassung.
Nietzsche-Porträt ("Neitzsche ist micht pleased wit your philosophie proof"), Descartes-Remineszens ("OMG, ich bin LOL"), Kant-Andeutung ("OMG Reason LOL") und Auftritt des Jungen Werther als Emo ("Jung Werther ist reflection of mein Personal Götterramdung"), nebst einer konterkarierenden Darstellung der Verhältnisse vor dem 2. WK (Frankreich: stumm, mit Bart; GB: "Yo Deutschland, where's Poland?"; Deutschland: "I dunno"; Polen wird von USSR mit Waffe bedroht und schaut ziemlich bedröppelt rein.). Personalpronomen, die eigentlich in der Aufgabe gefordert waren, hat er übrigens keine geschrieben. Schade.
Der Klassiker: JFK ruft "Ich bin Ein Berliner" und hebt dabei den rechten Arm. Auslegung dieser Geste unklar. Unten noch ein tanzender "TechnoViking" zu sehen. Meint vielleicht die Untergrund-Techno-Szene des Prä-Mauerfall-Ost-Berlins?Weitere Interpretationen können gerne in der Kommentarfunktion hinterlassen werden :)
Samstag, 23. Januar 2010
Menno... lass dat!
Mit Schildern ist das hier im großen Kanada so eine Geschichte. Sicher ist bereits angeklungen, wie schwer es einem Ureinwohner aus dem großen deutschen Schilderwald fällt, sich hier auf den Landstraßen und Autobahnen zu orientieren - denn die zeigen in der Regel nur eine Nummer und eine Himmelsrichtung. So weit, so schlecht. Wenn man den Dreh irgendwann raus und sich an das Kartenfahren gewöhnt hat, mag das ja ganz gut funktionieren, doch zunächst sucht man verzweifelt nach Ortsangaben die einem bei der Zurechtfindung helfen.
Wenn dann die irrlichternden Blicke auf der Suche nach Orientierung auch noch so ein Schild wie in der obigen Darstellung erblicken, mag man noch verwirrter sein. Sieht man allerdings das dort angekündigte als erstes ganz in Echt - macht man doch fix einen Schlenker und hofft, keinen Gegenverkehr zu haben.
Wozu das Ganze? Also, liebe Leser, lehnt euch zurück, heute wird eine kleine Kultur- und Geschichtsstunde abgehalten. Wie schon mehrfach erwähnt, finden sich hier in Ontario mehrfach Überreste alter Kulturen (höhö...). Beispielsweise der Deutschen. Genau. Den Eindruck gewinnt man nämlich, wenn man mit seinem bis unter die Zähne ausgestatteten Leihwagen an einer Kutsche auf dem Seitenstreifen vorbeirauscht und schnell die Musik leiser macht, um auszuchecken, ob die andern genau solche Sensationsgefühle, wie man selbst, haben.
Die deutschen Einwanderer der Region sind vornehmlich als Flüchtlinge religiöser Unterdrückung ins große Kanada gekommen. Die Amish kennt jeder, die Mennoniten weniger - und doch, gleich die erste Wer-wird-Millionär-Info vorweg, sind die Amish 'nur' eine Abspaltung der Mennoniten! Ich sitze hier also sozusagen an der Wurzel dieser ganzen wir-verweigern-uns-der-Moderne-und-machen-unser-eigenes-Ding-religiös eingefärbt-Connection und kann euch das natürlich nicht verschweigen.
Die Mennoniten sind eine evangelische Glaubensgemeinschaft in der Tradition der Täufer. Menno Simmons, ein ordentlicher Friese, hat von sonem Haufen militanter und apokalyptisch veranlagter Täufer nach dem Scheitern ihrer Community den gemäßigten Teil übernommen und einfach seinen eigenen Religions-Laden aufgemacht, der sich vornehmlich dem Gegenteil der Vorgängersekte, pardon, religiösen Vereinigung verschrieb: dem Pazifismus. Nun gut, da auf 'Täufer' auch noch die Todesstrafe stand (wir bewegen uns so ca. Mitte des 16. Jhdts.), war es auch noch praktisch sich nen neuen Namen zuzulegen (nach Herrn Simmons, aber wir sind ja auf Du, Menno - Mennoniten) und grün-blau-kariert dann einfach weiterzumachen, ohne juristische Probleme. Zumindest am Anfang. Schnell haben findige Beamte und Rechtsverdreher natürlich bemerkt, dass die für ihren falschen Glauben Drangsalierten langsam ausgingen und kurzerhand auch die Mennoniten für verfolgungs-, folter-, ausweisungs- und exekutionswert erklärt.
Die Schweiz, die Niederlande (außer des Nordens) und auch weite Teile in Deutschland waren also keine guten Flecken für die auf Pazifismus eingeschossenen Glaubensbrüder und so fassten sie kurzerhand den Entschluss, nach Amerika auszuwandern. Jakob Ammann übrigens, der Häuptling der Amishen, war Schweizer und fand die Philosophie der dortigen Mennoniten noch zu lasch - also flugs abgespalten, die Regeln (schlichte Klamotten z.B.) verschärft, die Abschottung zur Außenwelt erhöht und in Ruhe praktiziert.
Von Pennsylvania aus, wo sich ja bekanntlich die meisten Deutschen ansiedelten, schwärmten viele Mennoniten gen Norden aus und landeten hier, in der Region von Waterloo. Heutzutage leben in Nordamerika sogar 42% der gesamten Glaubensgemeinschaft - Europa hat von denen nurnoch 5% zurückbehalten (Hier bitte die eigene Bewertung einfügen).
Doch um nochmal zu dem Foto zurückzukommen: Kanada als ultratolerantes Land (das manchmal so stolz auf seine Toleranz ist, dass es schon wieder intolerant zu werden droht) ist natürlich froh um jede Facette, die die Identität nochmehr aufweicht (nein, Scherz, bereichert!), so dass es sogar extra breite Seitenstreifen gibt, die hier auch "Kutschenspur" genannt werden, denn die sind zum Schutze der Autofahrer oder der Kutscher oder doch der Autofahrer oder doch der Kutscher (?), die dort ihren eigenen Raum haben, um von A nach B zu kommen und so sieht man manchmal auf dem Supermarktparkplatz ne richtige Kutsche stehen, wie früher und so.
Interessant sind vielleicht noch die Prinzipien der Mennoniten, damit man auch mal weiß, was die so ausmacht. Prinzipiell wird bei denen niemand gezwungen - die Taufe wird im Entscheidungsfähigen (wann immer man es selbst will) Alter durchgeführt und setzt die Bekenntnis zu Jesus Christus voraus. Außerdem sind Eide und Militärdienste absolut verpönt und jeder kann natürlich sein eigener Priester sein. Hinzu kommt die Gemeindeautonomie, die dazu führt, dass jeder sein eigenes Ding macht und es deswegen noch soviele deutsche Enklaven in Kanada gibt, da die Gemeindesprache Deutsch ist. Je nachdem wie die Gemeinde so drauf ist, dürfen dann auch Frauen ordiniert werden oder auch nicht, man altmodisch oder modern leben und sich nach dem Abendmahl die Füße waschen oder eben nicht. Demokratisch das Ganze. Schee. Nach ordentlicher kanadischer Tradition also: Leben und leben lassen - auch im Straßenverkehr!
Mittwoch, 20. Januar 2010
Irgendwie geht's doch immer um die Größe...
Toronto - Calis Abschiedsauftritt (schnüff...) führte uns nochmal nach Toronto. Da das Wahrzeichen der Stadt mit weitsichtbarer Länge prahlt und in meinem letzten Toronto-Eintrag etwas missachtet wurde (bis auf die wichtigen Fakten natürlich), soll diesmal natürlich eine fotografische Dokumentation des ehemals größten freistehenden Gebäudes der Welt erfolgen (aber danach bitte weiterlesen, es gibt noch mehr...). Übrigens gehört der CN-Tower (Canada's National Tower) zu den 7 Weltwundern der Moderne - jaha, mit seinem Beton hätte man nämlich einen Bürgersteig bis in das 250km entfernte Kingston gießen können. Da der Tower eben aus soooooviel Beton besteht, ist er natürlich des nachts noch viiiieel schöner (Widerspruch?) - leuchtet er doch in allen möglichen lustigen Farben, so dass für jedermanns Geschmack etwas dabei ist. Mit Strom haben die es hier ja eh nicht so, wenn ich mir die Stromheizung zu meiner rechten anschaue (oder auf meine vertrockneten Schleimhäute achte), an die beleuchteten Highways denke oder aber die gewaltigen Lichtbänder des CN-Towers anschaue. Aber - auch die markieren natürlich die Größe. Jep. Ob Toronto nun Dubais wegen in einen Minderwertigkeitskomplex verfällt, bleibt abzuwarten. Aber eher lacht sich die finanzstärkste Stadt Kanadas wohl ins Fäustchen ob der horrenden Schulden des Wüstenstaats.
Ladies and Gentleman, Alex proudly presents: the one and only, the famous, the vast, the huge, the incredible, fabulous, amazing, grandiose and awesome CN-TOWER!
Nein, der größte schiefe Turm der Welt versucht immer noch verzweifelt das Dach des Olympiastadions in Montréal zu halten - das hier ist "cooler" Schieflook...
Achtung! Der nach oben fahrende Lichtstreifen bedeutet Farbwechsel - Spannung...
... -Ping - Blau! Sieht aus wie diese Hammer-hau-Teile aufm Jahrmarkt.

Ladies and Gentleman, Alex proudly presents: the one and only, the famous, the vast, the huge, the incredible, fabulous, amazing, grandiose and awesome CN-TOWER!
Wo wir doch gerade bei der Größe waren. Im ehrwürdigen Royal-Ontario-Museum waren wir auch noch - und das kann nicht nur von sich behaupten einen Daniel Libeskind-Anbau (siehe unten) zu haben, nein, es hat auch mit ca. 6,2 Millionen Exponaten die größte Sammlung an Ausstellungsstücken auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Natürlich sind die nicht alle ausgestellt - Reizüberflutet ist man aber so schon von den vielfältigen, wunderbar gestalteten Abteilungen: Dinosaurier, Tiere der Eiszeit, Vögel, Säugetiere, verschiedene Klimazonen und ihre Tiere, First-Nations, China, Korea, Ägypten, Afrika, Kanada (was für eine Reihe...), verschiedenste Kulturabteilungen, Geologie, Erdentstehung, wechselnde Ausstellungen (diesmal die Qumran-Rollen - die ältesten Bibelaufzeichnungen die bisher gefunden wurden) und so weiter und so fort. Zu meiner größten Freude durfte ich als Vollzeitstudent an einer kanadischen Uni auch noch umsonst rein - juchu! - und so haben wir uns versucht einen ersten Eindruck in einem beeindruckenden Museum zu verschaffen, das noch öfter besucht werden will:
Ein Museum zum Wohlfühlen.
Spannende Treppenhaus-Deko.
Bitte bloß nicht rechtwinklig. Blitze, Zacken. Aber wer das Jüdische Museum in Berlin kennt, weiß ja Bescheid.
The Clash of - sagen wir - Times.
Von den Eindrücken, die die Architektur schafft (in Kombi mit Exponaten, Licht und Ton) könnte ich noch stundenlang schwärmen.
Der Held und das Grauen meiner Kindheit...
...so hätt ich mich wahrscheinlich auch umgeschaut in seiner Nähe.
Nun kommen wir den "edlen" Sachen schon etwas näher...
...denn - tada - hier ist er, "Das Licht der Wüste" (wg der vielfältigen Lichtbrechungen und dem daraus resultierenden Regenbogen-Licht) sein Name. Der größte (aha, da haben wirs wieder!) Cerrusit der Welt, gefunden in Namibia, hat schlappe 898 Carat. Der zweitgrößte der Welt ist nur ein Viertel so groß. Das Teil ist allerdings so empfindlich bei Hitze und Vibration, dass jeder Diebstahl (oder das Tragen an ner Kette) sinnlos ist, denn dann würde er zerbrechen... das Ding nach Toronto zu transportieren war also ne spannende Geschichte.
Kennt ihr den? Das ist Sitting Bull und ein Teil seiner Klamotten (gut, Reste von ihm sinds nicht), dem berühmten Guerilla aus Dakota, der mehrfach gegen die US-Army focht, versuchte, seine Leute wieder aus dem kanadischen Exil zu führen, zum letzten (und, ähem, größten?!) geistigen Führer des Indianer-Widerstandes wurde, mit der Billy Wilder-Show weltbekannt wurde (obwohl er nach sechs Monaten wieder ausstieg) und 1891 schließlich von US-Army unterstützten "Indianer-Polizisten" erschossen wurde.
Zum Abschluss sind Cali und ich noch ein Ründchen durch das nächtliche Toronto getingelt, dass uns bei schönstem Schneefall begegnete (der aber schnell wieder aufhörte), Downtown (nur für dich, Cali) haben wir uns dann noch 1,2 Cocktails (und vorher natürlich Wendys!) gegönnt und sind dann schließlich für unsere letzte Nacht ins Hostel eingekehrt. Den Abflugtag könnt ihr euch selber denken...
Snowy 'Tronno'.
Und schwupp, wars wieder vorbei.
An Torontos "Big Apple"...
...gabs dann noch was zu Trinken. Nein, trotz der Farbe handelt es sich hier um keine Romeo-und-Julia-artige Vergiftungsorgie. Wir brauchen einander ja noch!
Drückt Cali die Daumen für einen guten Flug - sie dürfte noch unterwegs sein, denn der Abflug war bereits 4 Std. verspätet - was allerdings den vorhergehend noch 6-stündigen Aufenthalt in Brüssel extrem verkürzte und uns beiden zu noch ein bisschen mehr Zeit am Flughafen verhalf.
Gute Nacht, Leute.
Freitag, 15. Januar 2010
Strandspaziergang...
...klingt surreal? Wars auch! Nimmt man alle Seen Kanadas zusammen (von denen die Great Lakes, Lake Superior, Lake Huron, Lake Michigan, Lake Ontario und Lake Erie einen wesentlichen Teil ausmachen) hat man eine Fläche, die sich das Doppelte von Deutschland einverleiben würde. Der Lake Ontario wurde ja nun schon zu Teilen präsentiert und deshalb begab es sich, dass wir am letzten Sonntag einen kleinen Tagesausflug zum Wasaga Beach an der Georgian Bay, die aus dem Lake Huron gespeist wird, gemacht haben. Georgian Bay deshalb, weil das Ganze nach George IV. König von England und ... tada ... Hannover benannt wurde. Somit war das ja sozusagen auch ein Besuch zu alter Regentschaft meiner Heimatgegend. Aber um ehrlich zu sein ist mir das eh erst hinterher aufgefallen, weswegen also keine historische Sentimentalität dem Naturerlebnis der bereits weit zugefrorenen Georgian Bay, deren Blau im stetigen Wettkampf mit dem des Himmels zu sehen war, im Wege stand. Teilweise hat man sich dann tatsächlich wie auf dem Mond gefühlt (nur mit schönerem Wetter), wenn da nicht diese knatternden Schneemobile wären. Auf dem Mond gibts schließlich keine Geräusche. Aber man kann ja nicht alles haben... sehet selbst und staunet, werte Zuschauer:
Die Georgian Bay tut sich vor uns auf...
Erster staunender Zwischenstopp.
Ursprünglich lebten hier mehrere Indianerstämme und auch heute ist die First Nation-People-Quote noch relativ hoch.
Der Reisepulk.
Da schwimmt doch was?
Angeber.
Wo sind wir doch gleich? Hat jemand nen Kompass dabei?
Mmh, Marmorkuchen (nach meiner Aussage), Karamellbonbon (nach Calis Aussage). Eigentlich jedoch gefrorener Sand ;)
Sind wir in dieser Mondlandschaft nurnoch Schatten unserer selbst?
Nee, man kann sich auch wie auf den Spuren Peary's oder Cook's fühlen (wer auch immer nun von den alten Streithähnen zuerst am Nordpol war...)
Eiswüste.
Rote Wängchen!
Stokeln im Schnee III (Fortsetzung folgt).
Dem Sonnenstand nach... müsste das hier der Pol sein... oder?
Traumhafte Himmelszeichnungen.
Kalenderfoto. Caspar David Friedrich lässt Grüßen.
Uiii. Der Tag neigt sich malerisch dem Ende.
Nochmal uiii.
Darf ich vorstellen? Kriminaloberhauptkommissarin C.R. bei schweren Ermittlungen.
Abonnieren
Posts (Atom)