Dienstag, 29. Juni 2010

Toronto Zoo

Der Toronto Zoo hätte eigentlich bereits zu dem Eintrag "Irgendwie geht's doch immer nur um die Größe..." (siehe Januar 2010) gehört. Allerdings wars im Januar ja noch ganz kalt und so und deswegen haben wir dieses abgelegene Großod erst heute näher untersucht. Warum gehts auch hier um die Größe? Mit 5000 Wirbeltieren unter - inklusive der wirbelosen Tiere und Fische - insgesamt 16.000 Tieren, auf 287 Hektar und mit einem 10km langen Rundweg ist der Toronto Zoo groß. So groß, dass er als der drittgrößte Zoo der Welt gilt. Das wollen sich dann natürlich 1,2 Millionen Menschen jährlich anschauen - die meisten davon übrigens sind ziemlich dick (und gehen nicht den ganzen Weg). Das ist aber kein Problem, denn neben vielen Tieren gibt's auch ne Menge Fressbuden, an denen man sich niederlassen kann. Fast Food-Größen wie das kanadische "Pizza Pizza" beispielsweise, lassen es sich nämlich nicht nehmen, im ganzen Zoo ihre Buden in den Weg zu stellen - und das in allen zoogeografischen Bereichen, die die Anlage bietet (Indo-malayisch, Afrika, Kanada, Tundra-Arktis, Eurasia). Den 'krönenden' Abschluss bildet dann die von einer großen Billigkaufhauskette finanzierte 'Discovery Zone', in der man für alles nochmal extra Eintritt zahlen darf, obwohl der Zoo selbst schon 21$ pro Person kassiert. Nunja. Die Anlage aber ist schon schön, eingebettet in üppigen kanadischen Busch, mit mehreren Naturreservaten, durch die thematische Trails führen. Von den Tieren her gab es wirklich ne Menge, viele machten es aber genau richtig: Sie faulenzten abseits oder gar außer Sichtweite im Schatten. Nach der Toronto'er SARS Epidemie 2003 (ich wiederhole: hier gibts seeehr viele Asiaten) erholen sich nicht nur die Tiere, sondern auch die Besucherzahlen wieder... und unter diesen Besuchern sind inzwischen auch so viele dicke, grölende, gegen die Scheiben wummernde und minder sprachentwickelte Kinder, dass man die genervten und apartischen Verhaltensweisen der Tiere schon verstehen kann. Wer ist eigentlich bekloppter? Der Affe hinter der Scheibe oder der Idiot der sich 'wie ein Affe benimmt' und davor rumhampelt? Das Verhalten vieler Leute jedenfalls ist eine Beleidigung für die Affen. Wie amüsant, wenn man glaubt ein Stirnrunzeln im Gesicht des Tieres zu sehen, das sich darauf hin umdreht und nurnoch mit dem Rücken zur Masse sitzt.
Der Zoo liegt übrigens - entschuldigung - am Ar*** der Welt; auf dem Weg dorthin boten sich so noch viele Möglichkeiten für Scarborough- und North York-spezifische Sozialstudien. Ein spannender (und müüüdemachender) Tag also.
Ach übrigens: Die Endkorrekturen sind nun auch zu Ende gegangen! Zur Feier dessen kann ich endlich mal wieder zum Friseur gehen und die Masterhaare und den Masterbart kürzen...

Nun aber zu kleinen haarigen Faltern...

...über zerfetzte Kuscheltiere im Affengehege...

...bis zu streng blickenden und leicht genervt wirkenden Tigern.

Auch zufriedene Exemplare der Gattung Homo sapiens sapiens (hier germaniensis) lassen sich in der kanadischen Parklandschaft ausmachen...

...oder zugewanderte meckernde Möwen...

...neben pennenden Löwen in liebevoll gestalteter pseudo-Afrika-Landschaft.

Unsere Favorites heute (die Eisbären waren nicht zu sehen...): die Giraffen...

...Vorsicht! Nicht stolpern...

...lieber baden, in der Hitze...

Fast Food... überall - auch im vermeintlichen Niemandsland des Zoos.

Einer der heimlichen Stars: das Chipmunk. Und das brauch nichtmal nen Zaun.

Conservation Area und First Nation Knowledge-Trail.

Montag, 28. Juni 2010

Anti-Wembley

Wat nen Spiel. Der Mythos ist Tod. 44 Jahre nach dem immer wiederkehrenden Stammtischthema Wembley 1966 hat der Fußball nun sein Anti-Wembley-Tor. Abgesehen von Herrn Capello waren die englischen Spieler ja immerhin einsichtig, dass nicht nur diese (mal wieder) Fehlentscheidung des Referees für den (historischen) Sieg gegen England geführt hat... Wir haben das Spektakel während einer Einladung bei ein paar deutschen Bekannten verfolgt - brunchend und mit Flagge und Kram. Nach dem Sieg mussten wir dann sogar (demokratische Überstimmung) zu einem Zug durch Greektown, das griechische Viertel Torontos, aufbrechen:

Frohe - und satte - Gesichter nach dem Sieg...

...ausgerüsteter Aufbruch in das Herz Greektowns (ein paar alte griechische Opas: "See you next time, then against the Greeks.") - alles friedlich und mit Gratulationen übrigens...

...führte uns unser Weg nach Riverdale, für einen diesigen Blick auf die Skyline...

...vor der dann die berühmten Springbilder als Ausdruck der Freude entstanden. Hier Cali flankiert von Aline und Jana.

Jeder muss mal - mit Hut, fehlt nur der fliegende Besen für eine Harry Potter-Anleihe.

Oder hier: Calis Kollegin Andrea im Stile einer Kräuterhexe.

Nachdem wir dann schließlich noch unsere potentiellen Gegner observiert und analysiert hatten, während es Waffeln mit allem drum und dran gab, sind wir letztlich noch zum Ontario See aufgebrochen: an Torontos Strände! Früher einmal der Sommersitz der edlen Herren der Stadt, sind die Beaches inzwischen grundsätzlich für die Öffentlichkeit zugänglich, die hier, gewissermaßen im Schatten einiger Villen, auf den Greens grillt und sich am Strand räkelt. Baden kann man natürlich auch, nachdem die amerikanischen Richtlinien für die Wasserqualität durch die europäischen ersetzt wurden: die sind nämlich viel lascher...

Inzwischen sahen wir dann auch wieder 'normal' aus, bis auf das selbstgenähte Kleid von Jana ;)

Was folgte, war ein einstündiger Spaziergang entlang der Beaches, im Hintergrund ist die Hafenindustrie zu sehen...

...in der anderen Richtung sieht man nichts, nur ein seltsames Licht- und Wolkenspiel...

...das ein ordentliches Gewitter mit noch ordentlicherem Regen zur Folge hatte...

...was uns aber bei - O-Ton Jana - dem besten Eis Torontos, in Ed's Eisdiele in der Queen St. East - nicht so sehr störte...

Ach ja, heute kommt übrigens die Queen, um eine kleine Tour durch Ost-Kanada zu veranstalten und für den Canada Day am 1.7. anwesend zu sein - hier wird der Geburtstag des Landes gefeiert und dazu gabs die Nachricht, dass die Population weiter wächst (dazu gehören inzwischen auch Andrea, Jana und Aline, die vor zehn Jahren eingewandert sind). Die Queen landet nachher dann in Halifax, tourt nach Ottawa, kommt anschließend nach Toronto UND - Waterloo! Weiß der Geier wieso. Die Medien jedenfalls wissen dazu nix. Aber wen interessiert schon der Empfang der Queen - wir empfangen am Canada Day Calis Großeltern!

Samstag, 26. Juni 2010

Ennui erschießt Kumpel

Bevor seit heute in Downtown Toronto ein paar linke Bazillen "Anarchie" rufen, "Klassenkampf" an die Wände sprühen und McDonalds- und Starbucks-Scheiben einschmeißen, um dabei gegen Alles und Nichts zu demonstrieren und ein bisschen Spaß am Krawall zu haben (Polizeiautos würden auch angezündet), haben wir gestern Abend in der jetztigen Brennzone noch einem wahren Upper-class Spektakel gefrönt: In Latschen, kurzer Hose und durchgeschwitztem T-Shirt fiel uns spontan der Auflauf von Anzug- und Abendkleid-Figuren auf. Wo? Am National Ballet of Canada. Und so gingen wir einfach mal ins Blaue hinein und haben gefragt, was denn ein Kärtchen kostet und obs nen Dress Code gibt. Bei letzterem haben wir direkt Glück gehabt, bei ersterem auch: Da wir eine Stunde vor Beginn der Vorstellung kamen, kosteten die Karten nur die Hälfte! Erschwinglich waren für uns dennoch 'nur' die ersten Reihen des 5ten Ranges (24$ pro Stück, wie gesagt, 50% reduziert), aber das half vielleicht, damit nicht zuviele Leute die Nase rümpften aufgrund unseres Outfits. Mein erstes Ballettstück und das auch noch mit einem spitzen Orchester und Tanzensemble. Okay, zugegeben, der Upper class-Muff zog schon sehr durch den Raum, v.a. durch das extrem klassische Bühnenbild, dass einen mustergültig in das 19. Jahrhundert zurückversetzte - die passende Zeit, denn es wurde "Onegin" zum besten gegeben. Die Geschichte (basierend auf einem Gedicht, untertitelt "Roman in Versen", von Alexander Puschkin) ist schnell erzählt. Der Müßiggang langweilt Eugen Onegin, als Ennui aus dem Bilderbuche in St.Petersburg und so entschließt er sich, der Einladung seines Freundes Lensky aufs Land zu folgen. Der möchte dort ein bisschen Party machen, weil er doch schließlich mit der blonden Olga verlobt ist. Anwesend bei dieser Party ist auch Tatiana, die sich in den (auch in den engen Balletthosen) vermeintlich gut aussehenden Onegin verliebt. Der Gelangweilte flirtet halt ein bisschen und Tatiana fällt ihm 'zum Opfer'. Nicht schlafen könnend, schreibt sie ihm des Nachts einen flammenden Brief und lässt diesen durch die Amme ausliefern. Auf dem nächsten Fest, auf dem auch der Petersburger Prinz Germin auftaucht, macht Onegin mit seiner "Diese-langweilige-und-naive-Landfrutte"-Tour weiter, renkt sich beim Gähnen nahezu den Unterkiefer aus, und beginnt, wiedermal aus Langeweile, mit der Verlobten seines Freundes Lensky, Olga, zu flirten. Die ist auch noch so blöd darauf einzugehen. Nicht nur Tatiana fallen die Schuppen von den Augen, sondern auch Lensky sieht sich darauf gezwungen Onegin - sehr schön pathetisch dargestellt - den Fehdehandschuh hinzuschmeißen, nachdem er ihn zuvor zweimal geschmeidig durch sein Gesicht gewischt hat. Beim anschließenden Duell, von dem Tatiana und Olga Lensky noch verzweifelt abzubringen versuchen, knallt Onegin Lensky hinterrücks ab und - oho - blickt das erste Mal in seinem Leben der inneren Leere in seinem Körper ins Gesicht. Seinen kleinen Landausflug unterbricht er plötzlich und lässt alles fluchtartig zurück. Ein paar Jahre später kehrt er nach St.Petersburg zurück und musste zwischenzeitlich, während er gewissermaßen einen Selbstfindungstrip um die Welt machte, begreifen, dass alles was er gemacht hat Dreck war. Außerdem - natürlich - liebt er Tatiana doch! Auf einen Ball des Prinzen Germin (siehe oben) eingeladen, stellt er dann auch noch fest, dass dieser inzwischen Tatiana geheiratet hat. Oh Schreck, oh böse Welt! Nun passiert der Rückgriff auf den Brief erneut - diesmal schreibt er und überreicht ihn anschließend Tatiana, die diesen, wie einst Onegin ihren, zerreißt und ihm den Ausgang zeigt. Klassisch - die unerwiderte Liebe, hach.
Puschkins Gedicht wird heutzutage als Enzyklpädie des russischen Lebens (des 19.Jahrhunderts) und auch der lyrischen Stilgattungen (die er nahezu alle abarbeitet in den 8 Cantons - Kapitel - á 50 Versen) gesehen, so reich an scharf beobachteten Einblicken in das Verhalten des Adels und die Literaturgeschichte ist es. Zudem auch noch verdammt romantisch angehaucht und so waren das Bühnenbild und die Kostüme des (für irgendnen Woody Allen-Film) Oscar-prämierten Santo Loquasto gleichfalls voller Land- und Gartenromantik - das perfekte Setting für das doch sehr auf Drama ausgelegte Ballett, das mit seinen Bildern gut und gerne an einschlägige impressionistische Edgar Degás Darstellungen der Tanzart erinnerte. Die Krone der ganzen Geschichte ist meiner Ansicht nach allerdings die (brilliant vom Orchester performte) Musik von Tschaikovsky gewesen, die bei seiner gleichnamigen Oper "Eugene Onegin" entstand und für das Ballett umarrangiert wurde. Wo? Das ist der nächste Witz: in Stuttgart! Überhaupt, die Adaption ist 1965 in Stuttgart entstanden und auch der erste Ballettsolist gestern, Jiri Jelinek, hat gerade von Stuttgart nach Toronto gewechselt. Immer wieder die Rückbezüge nach Deutschland... Insgesamt ein - für mich - interessanter Mix aus Stummfilm-Atmosphäre, mit exzellenter Orchestermusik und sehr guter Akustik. Die Tanzbewegungen? Nunja, man kennt sie halt, Pirouette hier, pathetischer Sprung dort. Der finale Tanz zwischen Onegin und Tatiana jedoch (und auch die vielen Ballszenen) war wirklich schön anzusehen, nicht zuletzt auch wegen der guten Harmonie mit dem Orchester. Nur die beiden 20-minütigen Pausen nach jeweils 45 Minuten machten den Eindruck, als wollte der Laden verstärkt ein bisschen Haegen Dasz für 7$ und Wein für 12$ das Glas verkaufen. Wir hatten übrigens Glück, war doch die Aufführung gestern die letzte der Saison. Im Zusammenspiel mit dem vorherigen Essen beim Inder also ein Abend für die Sinne (O-Ton Cali!).

Aufgrund der Spontaneität nur ein Handybild von unserm Plätzchen.

Opulentes und - muss man auch sagen - schönes Bühnenbild, aber manchmal etwas seehr klassisch...

...so dass der Oberschichteneindruck noch verstärkt wurde und das Innovative und Überraschende etwas fehlte. Nicht überraschend übrigens: die engen Hosen, die immer ein bisschen lächerlich wirken.

Apropos überraschend: ein Wort noch zum kanadischen Publikum. Das ist im Schnitt grundsätzlich jünger als in Deutschland und extrem Standing ovations-willig. Ob das an der nicht sehr langen Kulturgeschichte liegt? Oder es herrscht einfach nicht so eine "Ich-habe-bezahlt-und-werde-dafür-jetzt-bedient"-Mentalität. Egal was der Grund ist, enthusiastisches Jubeln und auch anerkennendes Rufen kreiiert jedenfalls ein wesentlich freundlicheres und lockeres Bild, auch bei einer Veranstaltung, die in Deutschland eine Steifheit mit sich bringen könnte, dass einem die Rübe abbricht. Cheers.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Queen St. West

Die westliche Seite der Queen St. in Downtown Toronto kann eigentlich als gutes Beispiel für den kanadischen Schmelztiegel der Kulturen und dessen Entwicklung im Laufe der Zeit gesehen werden. Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten hier vor allem Iren, was aber nicht so bleiben sollte. In den 1920 Jahren ließen sich viele Juden im Bereich der Queen St. West nieder, so wie später auch die vielen Asiaten, die heute überall in Toronto zu erblicken sind. Daraus entwickelte sich in den 1930ern das heute wohl genau wie damals so wuselig und chaotische Chinatown (die Juden sind derweil die Bathurst St. richtung Norden entlanggewandert und haben dort auch heute noch ihr 'eigenes' Viertel). In der Zeit bis zu den 1950er Jahren wurde der Bereich auch noch Zuhause von ukrainischen und polnischen Einwanderern, bis in den 1970ern schließlich als letzte große Zuwandererwelle in der Queen St. West die Portugiesen hinzukamen. Was also mal ein von EINER - ich sag mal - Ethnie eingenommener Bereich war, wurde im Laufe des Jahrhunderts zunehmend zu einem kaum noch zu identifizieren Potpourri - ein Grund, warum die Queen St. West auch heute so einmalig, kunterbunt und bescheuert (im positiven Sinne) ist. Denn hier wird Torontos Motto - "Diversity is our strength" (deutsch: Die Vielfalt ist unsere Stärke) - nach außen gelebt, wie an kaum einer anderen Stelle in der Stadt. Der Bereich gehört inzwischen zu Torontos Fashion- und Art- und Design-District, das Maß aller Dinge sind also die verrückten Läden, die ein Portrait allemal wert sind:

Stolz unterteilt Toronto die Stadt in Districts.

In der Queen St. wundert man sich zunächst ob der teilweise doch arg angeranzten Gebäude, bemerkt aber fix: datt mutt so! (man beachte die Viecher die am Haus 'krabbeln')

Keine Straße Torontos ist so bunt und künstlerisch, wie auch menschlich offen wie die Queen St. West (wenn Straßen das sein können... naja ihr wisst ja was gemeint ist)!

Angeranzt ja, bunt gemacht auch, aber das hier ist quasi noch harmlos.

Die meisten Gebäude des Bereiches stammen aus den Anfängen des 20.Jahrhunderts, womit die Queen St. quasi auch ein historischer Kern Torontos ist...

...der heute wie früher so zentral war, dass auch Firmen sich gerne ansiedelten und solch mitunter stattliche Fabrikgebäude hinterließen...

Die Masse an Nachtclubs, Bars, Galerien, Klamottenläden und Fressbuden zeigt sich nicht nur, wie hier, ausgefallen...

...sondern auch extrem Reaktionsschnell: Hier die Reaktion der Fashionvictims auf das gestrige Erdbebchen...

Auch aus solchen Gebäuden werden noch Nachtclubs gezimmert: Farbe drauf, Fenster zugenagelt, bisschen Equipment und Alkohol besorgt und los...

Wer auffallen möchte, gibt seinem Häuschen einen Anstrich oder ein sonstiges außergewöhnliches Äußeres, wie bei diesem liebenswerten ländlich-wirkenden Ensemble...

...oder wird einfach politisch, wie in dieser Reaktion auf den G20-Gipfel...

...oder importiert Kulinarisches aus fernen Ländern...

...oooder bietet die Möglichkeit, dass man zur WM auch seinen Hund in den Landesfarben kleiden kann!

Wie das bei alternativen Kulturen so ist, feiert man sich natürlich kräftig selbst - hier in einem Hausanstrich.

Je weiter man in Richtung des Trinity Bell Parks kommt, desto beschaulicher wird es...

...teilweise werden die Läden auch deutlich 'Design'lastiger (hier mit Quallen im Fenster), was auch eine langsame Gentrifizierung (hab ne neue Vokabel gelernt) der Queen St. anzeigt: nämlich die Verdrängung der sozial schwächeren Schicht, durch die Schickimicki-Leute, hier durch einen Porsche angezeigt. Ein Phänomen, dass besonders den Berliner-Lesern bekannt sein dürfte...

Queen St. bedeutet nämlich auch sehen und gesehen werden - hier ein paar portugiesisch Stämmige Torontonians im (wenn ich mich nicht täusche?) 64er Impala...

...oder auch dieses Sammlerstück am Straßenrand...

...bisher ist jedenfalls noch Platz für 'Alle'...

...egal, wie man orientiert ist - das ist das städtische Kanada...

...indem die Queen St. auch die Kluft zwischen Arm und Reich aufzeigt, wenn auf der einen Seite Porsche und auf der anderen Seite Bettler zu finden sind.

Gute Nacht nach Europa!

Mittwoch, 23. Juni 2010

Earthquake! Wir leben.

Nicht nur Arbeit fertig, Fußball-Weltmeisterschaft mit Deutschland-Sieg und G20-Gipfel, nein, heute haben wir unser erstes Erdbeben überlebt! Um 13.45Uhr Ortszeit hattes an der Grenze von Quebec und Ontario in 12km Tiefe ordentlich gerüttelt, auf der offiziellen Skala hatte das Erdbeben eine Stärke von 5! Daraufhin musste der wackelnde Parlamentstower in Ottawa evakuiert werden, alle Bauarbeiter wurden aus den Gebäuden im Stadtgebiet geholt. Zudem dachte man in der Hauptstadt, eine Autobombe sei hochgegangen oder aber, ich zitiere einen Herren namens Murray: "Initially we thought it might have been an airplane crashing into the building." Pfffff. Für den Aufmerksamkeitsfaktor hätte Kanada das wohl gerne, so klingen die Leute, die für die Artikel erfunde... äh, interviewt wurden. Auch in Toronto haben einige Gebäude gewackelt, weswegen auch hier sämtlichste Bauarbeiter angewiesen wurden, ihre Arbeit abzubrechen. Nehmen wir das Erdbeben einfach als Kommentar der Natur zur Finanz- und Umweltpolitik... Wir hingegen dachten beim ahnungslosen Pizzamachen, dass die Waschmaschine irgendwie rattert... dass das ein Erdbeben war, erzählten dann die Nachrichten. Eieiei, man lebt gefährlich. Das Ganze war übrigens bis nach Ohio spürbar, deswegen gibt es auch viele tolle Aussagen von Amerikanern in den Zeitungen. Hier eine Auswahl:

-"I thought the chair was breaking or something," he said. "I looked over and my filing cabinet was moving."
-"My dog picked his head up just before it happened and kind of looked at me," she said.
-"And then everybody started shouting out, out, out."
-"One interesting note, when I did go outside most everyone was on their cell phone and several were stating that they couldn't get service. I would guess because of the increase in volume at that time."
-"We emailed back "We don't know!!! Is everything running? Power okay? Any one sent in any IT Requests?"
-"As you can guess, no more work is really being done today."
-"At first I thought it was because the US won their group on the world championship. But then I realised there are no football fans in America."

Haha... und in Kalifornien lächeln alle müde und zeigen nen Vogel. Sinngemäß zumindest:
"You know, as a resident of Southern California, I don't get many opportunities to call anybody else a weenie..." - "Weenie" ist übrigens ein, nett gesagt, Frankfurter oder Wiener Würstchen...

"In the German team it is all about youth..."

...sagt der kanadische WM-Kommentator - stimmt! Was für eine Aufregung. Im Multikultiland Kanada, das eigentlich eher unterentwickelt ist, was Fußball angeht, hängen trotzdem einige Fahnen an den Häusern oder wedeln im Fahrtwind der wuchtigen Pickups & Co. Ich melde mich hier exklusiv aus dem serbischen Kri-, äh, Wohngebiet Torontos, bei dem nach dem Sieg gegen Deutschland gefeiert wurde, als ob der Pokal bereits erreicht wäre. Da hieß es: bloß den Mund zu lassen. Heute hat sogar Australien Serbien geschlagen und das soll doch was heißen. Hier im Haus wird ein bisschen Katerstimmung einziehen, ist doch unsere Gastfamilie für Serbien (eigentlich Kroatien, aber die sind ja garnicht dabei). Interessant ist, dass solche Nationalfarben-Veranstaltungen durchaus an Anziehungskraft gewinnen, wenn man sich im Ausland befindet. Und deswegen steh ich sogar für den Fußball auf (das Serbienspiel war um 7.30Uhr), natürlich in meinem Trikot, das ich für 16€ bei einem Ausverkauf in der Schweiz erstehen konnte, und besinne mich auf die Heimat (wie pathetisch das klingt...):

Wobei es sich den Morgen ja nicht so richtig gelohnt hat, war ja nur zum Aufregen. Ist es nicht nett, dass Ghana trotzdem als letztes afrikanisches Team doch noch weiter ist?
Danke, Australien.

Dienstag, 22. Juni 2010

Toronto's Underground

Torontos öffentliche Verkehrsmittel sind nicht nur an dritter Stelle der am heftigsten genutzten öffentlichen Verkehrsmittel in Nordamerika (nach New York und Mexiko-Stadt), nein, sie haben hier auch geradezu Kultstatus. Die TTC (Toronto Transit Commission) lackiert seine Straßenbahnen rot und nennt sie Rakete und wirbt mit dem passenden "Ride the Rocket". Die Subway (U-Bahn) hat, sagen wir, 3 1/2 Linien - stimmt, nicht viel - man muss aber dazu sagen, dass Toronto 'erst' in den letzten 50 Jahren boomte und die Hauptlinie der Subway, das große gelbe U der Yonge-University-Spadina Line erst 1954 begonnen und 1996 schließlich beendet wurde. Auch die grüne Bloor-Danforth Linie, die das U in der Mitte kreuzt, wurde erst 1980 ganz fertig. New York hingegen hat schon 1932 mit der Untergrundbahn angefangen. Trotzdem benutzen die Subway täglich ca. 1 Millionen Menschen. Rechnet man 1,3 Millionen Busnutzer, 300.000 Streetcarnutzer und 40.000 Stadtzugnutzer hinzu, bewegen sich täglich fast 2,7 Millionen Menschen per Public Transport - und das in einer Stadt, die laut Homepage im Kern ca. 2.7 Millionen Einwohner beherbergt. Da können also alle Bewohner eigentlich die Autos stehen lassen. Aber man darf ja die von außerhalb nicht vergessen - denn der Großraum Toronto beherbergt fast 6,5 Millionen Menschlein (zum Vergleich Kanada hat zurzeit insgesamt ca. 34 Millionen Bürger). Staus gibt es also trotzdem genug in den Rush Hours - sonst würde in der nordamerikanischen Großstadt ja auch irgendwas fehlen?! Wie auch immer, nach dem es für das Symphonieorchester und den Chor Standing Ovations gab, wollte auch ich mich garnicht mehr setzen und hab mich bei der Heimfahrt ans Fenster am Ende der U-Bahn gestellt. Hier also ein kleiner, psychedelisch angehauchter Streifzug durch Torontos Untergrund:

Da kommt die Kultkiste...

...unverkennbar in ihrem silber-grau...

...alles andere als majestätisch, aber irgendwie old-school...

...sind die alten Kisten, die sogar noch ohne Kamera auskommen (das ist ein Wunder hier). Im August aber sollen sie durch die neuen Raketen ersetzt werden, die dann wohl rot sein werden...

...raus aus der St. Andrew Station in Toronto King St. W. ...

...und rein in die düstere graue Betonwelt...

...die immer wieder auf meist schnurgerader Strecke durch kleine angeranzte Bahnhöfe unterbrochen wird, hier Union St. am südlichsten Punkt des U's...

...dann gehts in die Kurve um auf, äh, unter die Yonge St. zu kommen...

...wieder gehts schnurgerade weiter...

...in die Bloor-Station, den Hauptknotenpunkt, auch nachts um 1.15Uhr...

...Rosedale liegt dann über der Erde...

...mit kurzer Unterbrechung so auch...

...Davisville, eine Station vor unserem "Heimat-Bahnhof"...

...Eglington - und raus!