Dienstag, 24. August 2010

Müde

Gott, das Zimmer ist furchtbar. Über mir schläft nun ein scheinbar frustrierter Mittvierziger, der nicht nur über all seine Klamotten rumschmeißt und alle vier Haken der Garderobe belegt, sondern auch Eiweißshakes in Massen säuft, um einen zweiten Frühling herbeizuzwingen oder sowas. Ganz klägliches Bild, sag ich euch. Ansonsten die gleiche Chose, die Bäder dreckig und das Putzgeschwader nachlässig. Schlechte Kombi. Und Grund genug, nach dem Frühstück gleich die Flucht zu ergreifen. Mit etwas bleierner Müdigkeit (unruhige Nacht) stiefelte ich die versprochenen 2 Min. zum Stadtstrand herunter. Die Zeitangabe lasse ich mal durchgehen. Stadtstrand ist ja aber manchmal so eine Sache. Im Prinzip ganz ok, aber kein Strand zum wirklich Wohlfühlen (kommt drauf an, ob ihr den Lärm der Stadt und so weiter mögt). Einmalig aber ist die Promenade, die man hier beginnend entlang laufen kann. Die SeaWall ist eine 8,8km lange Promenade, die sich einmal direkt am Wasser um die Halbinsel des sich darauf befindenden Stanley Parks herumzieht. Ein paar Kilometer bin ich der SeaWall gefolgt, aber dann in den Stanley Park abgebogen - der ist nämlich der größte Stadtpark Kanadas und belegt Platz 3 in der Nordamerika-Wertung. Das besondere am Stanley Park allerdings ist, dass der größte Teil des Geländes nicht angelegter, sondern natürlich gewachsener Wald (hauptsächlich Douglasien, Riesen-Lebensbäume, Hemlocktannen, Sitka-Fichten und auch ein paar Rotzedern) ist. Um den zu erforschen lassen sich insg. 200km lange Trails begehen, die natürlich auch zu Sehenswürdigkeiten wie den Beaver Lake, der durch die vielen Seerosen, die dem Wasser den Sauerstoff entziehen, zunehmend versumpft, oder das größte Aquarium Science Centre Kanadas (kommt an einem anderen Tag, denke ich). Im Innern des Tags kann man sich also wunderbar verlieren und so lief ich Stund um Stund durch jungen gemäßigten Regenwald und teilweise sogar durch alten, der bis zu 600 Jahre alt ist, die Bäume waren also Keimlinge, als die ersten Europäer einen Fuß auf Nordamerika setzten. Die First Nations lebten da natürlich schon lang hier, erste Nachweise deuten auf eine Ureinwohner Siedlung hin, die vor 3000 Jahren in diesem Gebiet gestanden habe. Totempfähle und Inukshuks weisen denn auch auf die indianischen Ursprünge der Inselzivilisation hin. Schließlich einmal im großen Kreis gelaufen, kam ich an der Georgia St. wieder heraus und ging direkt in die Innenstadt. Nach kleiner Stärkung zog es mich wiederrum an die Waterfront - denn ich brauchte dringend ein Nickerchen und die Liegen mit Burrard Inlet-Fjordblick kannte ich ja schon. Vorbei an dem Olympic Cauldron hatte ich auch gleich Glück und hing dort erstmal für gut 45 Min. rum. Im Anschluss daran schlappte ich gaaaaanz langsam zurück nach Downtown und erkundete ein bisschen die Haupteinkaufsmeile Vancouvers: Robson St. Robson übrigens ist der höchste Berg in den Rockies (fast 4000m). Die Einkaufsstraße? Joa. Wie sone Einkaufsstraßen halt sind. Hab nix für mich gefunden. Am frühen Abend zogs mich dann ins Hostel zurück, in dem ich mittlerweile ein paar Räume abseits des Zimmers und des Trubels gefunden hab, in denen man es etwas länger aushalten kann - solang wird das eh nicht sein, denn, der Müdigkeit wegen, wartet heute früh das Bett auf mich!

Stadtstrand Sunset Beach, 2 Min. vom Hostel...

...die Urbanität ist dennoch allgegenwärtig, hier in Form von moderner Kunst...

...die mit indianischen Inukshuks kontrastiert wird. Die fungieren übrigens als Landmarkierung, Willkommenszeichen und Orientierungshilfe (oder eben Zeichen für Olympia 2010...).

Im Stanley Park gehts dann durch viele Hektar jungen Wald...

...in dem zum Teil auch alte, recht eindrucksvolle Bäume in älteren Waldarealen stehen...

...viele von denen allerdings sind einem der heftigen Stürme zum Opfer gefallen, wie diese 600 Jahre alte Rotzeder im Winter 2006 - Künstler haben dann daraus teilweise naturfreundliche Kunst gemacht, wie hier...

...ein paar stehen aber noch...

...oder zumindest deren Stümpfe, die anzeigen, wie mächtig die Bäume mal waren.

Vom Beaver Lake ist derweil vor lauter Grün nichts mehr zu sehen, so ist er aber beliebtes Rückzugsgebiet für Wasservögel und kleine Nager.

Rückweg durch ein Wohngebiet, Blickrichtung Norden.

Und hier nochmal das Ding in dem die olympische Flamme fackelte - falls das im gestrigen Eintrag zu klein war...

Montag, 23. August 2010

Drei Deutsche in Vancouver

Nachdem der Tag heute mit meinen Alkohol ausdünstenden Zimmerkumpanen und der Frühstücksschlacht (die anschließend um die wenigen freien Plätze an Tischen weiterging) eher verhalten begann, lichtete sich das Wolkenwetter im Laufe des Tages ein bisschen (im wahrsten Sinne des Wortes übrigens). Nach etwas Rumhängerei in der Lobby, Bachelorarbeitskorrektur in der "Bibliothek" (euphemistisch) und Telefoniererei nach Deutschland brach ich am gut angebrochenen Nachmittag in die Innenstadt Vancouvers auf. Nachdem ich gestern in meine Waterloo'er Kommilitonin Julia und ihren Freund Jogi gerannt bin, hatten wir spontan beschlossen, heute doch was zusammen zu unternehmen, der Plan: Ausflug in den Lynn Canyon. Hier wird gleich einer der ersten Vorzüge Vancouvers deutlich: Nicht nur ist die Szenerie mit den bewaldeten Bergen um die Stadt herum nett anzusehen, nein, sie ist auch begehbar - und so liegen "The Outdoors" quasi direkt vor der Stadttür, bzw. zu den Füßen derselben. Verabredet waren wir um 17Uhr am World Trade Centre - klingt jetzt New York'ischer als es ist, denn damit ist in Vancouver bloß ein Bürokomplex im alten Expopavillon gemeint, der einen Teil der Exporte aus dem Hafen der Stadt regelt. Dieser Hafen nämlich besorgt das höchste Exportaufkommen in einem Hafen in ganz Nordamerika. Mein Spaziergang führte mich also über (ja, über, den Downtown ist auf einer Halbinsel) Downtown, nicht ohne einen Abstecher in ein geliebtes Wendy's zu machen, da ich ja dort seit vier Wochen schon nicht mehr vorbeigeschaut habe... Im Anschluss habe ich etwas die Waterfront erkundet, die schöne Sichten auf Grouse Mountain, einen Stadtberg Vancouvers, der mit 1231m einer der North Shore Mountains der Pacific Range ist. Auch umlief ich das riesige nachhaltig gebaute Convention Centre und beguckte den Canada Place (Nicht nur Messe- und Kongresszentrum der Stadt, sondern ein Komplex, der sich allerdings über vier Blocks zieht). Der Canada Place ist übrigens der kanadische Pavillon der Expo 86 in Vancouver, der vom ursprünglichen Standort, dem Nordufer der False Creek, belassen wurde. Architekt war übrigens ein Deutscher: Eberhard Zeidler (ist später nach Kanada ausgewandert - der hat auch das Eaton Centre und den Ontario Place in Toronto designed). Auf dem Square neben dem Convention Centre brannte übrigens zu den Winterspielen dieses Jahr die olympische Flagge! Nach ein bisschen Wasserflugzeug- (hier ist der "Flughafen" der Westcoast Air) und Touristenverhaltenbeobachtungen wurde ich plötzlich müde - kein Problem, denn es gibt ein paar überdimensionierte Liegen mit nettem Ausblick. Nachdem ich mich dort niedergelassen hab, ein bisschen in meinem seltsamen Buch schmökerte, nappte ich dann für eine Viertelstunde in der Öffentlichkeit. Anschließend war es Zeit für das World Trade Centre (klingt bedrohlich, oder...?). Dort traf ich Julia und Jogi und wir machten uns auf, den SeaBus nach North Vancouver, auf der anderen Seite des Wassers, zu nehmen. 2,50$ kostete (obwohl man bei Fähren ja immer das Gefühl hat, die müssten teuer sein) und dauerte 10 Min. der Spaß. Ist aber auch eines der Must-Do's in der Stadt, da man einen netten Blick auf die Skyline hat. Seit ich aber in Toronto gewohnt hab, kann mich eh keine Skyline der Welt mehr überzeugen. Überfall fehlt einfach der CN-Tower als Eye-Catcher. So auch hier, der Vancouver Lookout-Tower hilft da auch nicht weiter, sondern sieht eher so kläglich aus, wie der Turm in Calgary. Im Stadtteil North Vancouver angekommen, stürzten wir uns in einen Bus, um unser eigentlich Ziel anzusteuern - den Lynn Canyon. Dort angekommen, stiefelten wir zuerst über die frei schwingende Brücke, die so lang ist, wie der Canyon unter ihr tief: ca. 50m. Auf steinigen Trails ging es dann weiter durch den gemäßigten Regenwald, immer wieder mit kleinen Abstechern nach links und rechts, um die vielen kleinen Wasserfälle, Pools, steinige Flussbetten und Canyons zu erforschen. Unter anderem die Twin Fälle. Einiges Geklettere und Gespaziere später ging es dann zurück - kurz bevor eine bedrohliche dunkelgraue Wolke wahr machte, was sie zu versprechen schien. Der Bus sprachte uns zurück zum Lonsdale Quay, von dem wir den SeaBus zurück nach Downtown nahmen. Um dem Nutzen der öffentlichen Transportmittel die Krone aufzusetzen, haben wir dann noch den Sky Train genommen, der allerdings in der gesamten Innenstadt nur unterirdisch ist (Sky Train, pah...) - den Rest werde ich auf dem Weg zum Flughafen dann sehen. Nach einer anschließenden Schlenderei über die Partymeile Granville St. hin zu Julias und Jogis Hostel, ging der nette Tag zuende. Jetzt wartet nurnoch der 50te Odenthal-Tatort auf mich!

Die Waterfront: moderne Kunst neben moderne Architektur vor schönster Natur...

...die sich wunderbar für Ausflüge und Ausflüchte aus der Großstadt eignet...

...erst recht wenn man dort wohnt: North Vancouver.

Hier sieht man links die Tanke für die Wasserflugzeuge...

...die hier ihren Hauptanlegepunkt haben und ihren Lärm über Downtown verbreiten.

Das Ding da unten in der Mitte war die olympische Flamme, dahinter türmt sich Downtown auf...

...der Square neben dem Convention Centre. Ein guter Platz für ein Nickerchen.

Canada Place und der Blick in eine der Hauptadern der Innenstadt: Burrard St.

Auf dem SeaBus: Hmpf, Gegenlicht. Hmpf, schlechte Cam. Dass der CN-Tower fehlt, sieht man aber auch so.

Und dann - schwupp - wo ist die Stadt geblieben?

Denn plötzlich gibt es nurnoch Wald...

...und smaragdgrüne Kleinode: hier die Twin Falls...

...die in dieses märchenhafte Flüsschen münden.

In einem anderen Flussbett sitze ich wie ein verschüchterter Schuljunge...

...schwimmen traute ich mich eh nicht: eiskalt! Und eh keine Badehose bei, wer konnte das schon ahnen...

Zum Abschluss dann der Spaziergang über die nächtlich erleuchtete Hauptmeile: Granville St.

PS: Hier noch eine kleine Lektion in kanadischer Münzenkunde, die ich spät, aber das ist ja bekanntlich besser als nie, - nämlich heute - in Vollständigkeit gelernt habe:

-1 Cent-Münze: Penny
-5 Cent-Münze: Nickel
-10 Cent-Münze: Dime
-25 Cent-Münze: Quarter
-1 Dollar-Münze: Loonie
-2 Dollar-Münze: Toonie

Sonntag, 22. August 2010

Rausch

Bevor ich den ominösen Titel erkläre, muss ich zunächst noch in ein wenig Wehmut dokumentieren, was ich gestern gegen die Großstadt eingetauscht habe:

Hier Joe at work in der gemütlichen Küche...

...das nette Wohnzimmer...

...der Blick aus dem Fenster oder von der Terrasse...

...und der Dorm-room. Das wars. Klein und nett.

Allerdings fiel dies zunächst garnicht so schwer. Ein wiederum erstaunlich netter und hilfsbereiter Busfahrer der Tofino Busgesellschaft, machte die Kluft zwischen seinem Arbeitgeber und den weitertransportierenden Greyhounds wieder ziemlich heftig. Der erste Teil meiner Abfahrt nach Vancouver (4 Std. bis Nanaimo) gestalte sich recht harmlos und, wie erwartet, sehr ansehnlich. Denn alles was letztes Mal im Nebel lag und zudem von Dunkelheit überzogen war, wurde diesmal sichtlich und damit gleichzeitig auch deutlich, wie einmalig Vancouver Island ist. Die Straße schlängelte sich zurück an die Ostküste der Insel mit immensen Steinwänden zur rechten, steil abfallenden Klippen zur Linken (mit dem Ozean als Grenze) - und alles was nicht Stein war, wurde von riesigen Bäumen bevölkert und von Moosen und Farnen überwuchert. Am Horizont waren immer noch weitere Berge zu sehen, die sich förmlich um den Platz auf der Insel balgen und eng gedrängt beieinander stehen. Die 4 Std. gingen erstaunlich schnell rum und diesmal verzichtete der Busfahrer gar auf seine Pause, da wir, mal wieder, Verspätung hatten. Ein bisschen nervig war nur der First Nation-Papa mit seinen zwei Kindern (die leider so aussahen wie er), weil er die garnicht im Griff hatte. Interessant allerdings: Die Kids waren vielleicht 2 und hatten schon mehrere Goldzähne. Vielleicht ist das die neue Form von Altervorsorge: Schon Kleinkindern Goldzähne verpflanzen - komische Nummer. Nanaimo ist wiederum zum Vergessen trostlos gewesen - unterstützt vom stinkigen Busfahrer des Greyhounds, der eigentlich wie ein Komiker aussah, dessen Name mir nicht einfällt. Halb so schlimm allerdings - die Fahrt war nur 10 Minuten zum Hafen und daran schlossen sich 1 1/2 Std. Fährfahrt durch die Straße von Georgia an, die mit der zurückbleibenden Bergsilhoutte von Vancouver Island und der begrüßenden Bergsilhoutte von Süd-British Columbia nurmehr beeindruckend aussieht. An Bord gabs dann noch einen kleinen netten Vortrag von einer Meeresbiologie Studentin, die nicht nur die größte Qualle der Welt vorstellte (die mit ihren 9m langen Tentakeln in der Straße von Georgia lebt), sondern auch nen kleinen Vogel, der nen Vogel hat, weil er 80km ins Inland fliegt, um die Eier ganz hoch auf eine Zeder zu legen. Das liegt daran, dass die großen Hummeln (so umgangssprachlich genannt) mit 160km/h durch die Luft zischen und die einzige Möglichkeit einer heilen Landung der steile Flug nach oben ist - um zu bremsen. Dafür eignen sich die Zedern gut. Blöd nur, dass die Kiddies NUR Fisch mögen. Also fleigen die Eltern beide 2x täglich zum Meer und zurück - 280km pro Vogel am Tag. Das ist Elternfürsorge! Zum Abschluss gabs noch einen seltsamen und sehr seltenen Hai, der völlig bekloppt aussieht, weil er das Maul immer soweit aufgerissen hat, um Plankton zu sammeln - für Menschen interessiert es sich nämlich garnicht. Schön. Noch ein bisschen am Deck rumgewandert (Mütze schön festhalten) und anschließend wieder vor Horseshoe Bay in den Bus gehüpft. Nach 30 Min. Fahrt war ich dann Downtown Vancouver, dieser Stadt in atemberaubender Berg-Ozean-Wald-Szenerie, direkt an der Grenze der USA. "Rausch" deswegen, weil Vancouver in den 1860er Jahren im Zuge eines Goldrausches entstand. Abgesehen davon, dass die Stadt recht wohlhabend im Innern aussieht, merkt man davon allerdings nicht viel. Vielmehr waren alle besoffen. Seltsamerweise. Ich hatte ein bisschen das Gefühl in eine große Disko zu kommen, in der die Party schon ein bisschen lief. Überall Licht, Musik und Besoffene. Nicht so schön zur Begrüßung. Mein Hostel find ich nun auch nicht so doll. Als erstes habe ich nämlich an der Rezeption darum gebeten, das Zimmer doch mal sauber zu machen. Die kroatische Putzchefin war dann sehr nett und wollte sich direkt drum kümmern, aber der nette Typ aus Quebéc-City schlief schon. Okay. Die anderen waren noch nicht da, kamen aber, wie vermutet, gegen 4Uhr völlig besoffen. Die Whiskeyflasche neben dem Kopfkissen. Alle Klamotten noch am Leibe. Hallelulja! Und der Geruch! Die Herrenklos haben natürlich kein Pissoir - den Rest kann man sich ausdenken und von 3 Duschen auf der ganzen Etage (großes Hostel, Anmerkung des Verfassers) ist eine Defekt. Auf der nächsten Etage ists nicht besser. Und so teilen sich vielleicht 100 Leute vier Duschen. Ich verbuche das unter Campingerfahrung (auch das Frühstück ist eher eine Schlacht, als gemütlich). Wie auch immer. Nach meinem Streifzug durch Downtown hatte ich dann erstmal genug (auch weils Internet bis heut nicht ging) und bin ins Bett. Nun erforsche ich mal ein bisschen die Stadt - in der übrigens auch Jogi und Julia sind. Die habe ich gestern gleich getroffen. Kleine Welt.

Bye bye, Vancouver Island (das im Regen zurückblieb)...

...und ein erneutes Hallo zum kanadischen Festland.

Man siehts schlecht, aber da rechts, die kleine Erhebung, das ist Downtown Vancouver...

...das ich vom Fährenlandepunkt Horseshoe Bay gestern abend erreicht hab.

Freitag, 20. August 2010

Whale-watching? Was für eine Untertreibung!

Hatte ich bereits erwähnt, dass Joes Hostel das beste Hostel ist, dass ich jemals besucht habe? Ein paar habe ich ja schon gesehen, aber so eins... Joe ist der freundlichste, witzigste und hilfsbereiteste Hostelvater, den man sich vorstellen kann. Das Tofino TrekInn ist im Prinzip ein Ein-Familienhaus. Man kommt rein, steht im gemütlichen Wohnzimmer, man geht gerade weiter, steht in der bunten Küche, oder biegt auf den Balkon und die Terrasse ab, von der man herrlichen Blick auf den Clayoquot Sound hat. Links von der Küche ist der Dorm-room mit 5 Betten, geradeaus das große (und immer saubere!) Bad und dann gibts noch zwei Private-rooms. Joe selbst schläft auf dem Dachboden. Selbstlos, wa? Wie gesagt, er ist der Gast, der nie wieder ging. Hoffentlich. Seine Vermieter sind nämlich inzwischen ziemliche Arschlöcher, das heißt, das beste Hostel der Welt steht ab nächstem März auch noch auf der Kippe. Da ich auf jeden Fall nach Vancouver Island zurückkehren muss, hoffe ich natürlich, dass der Laden dann noch besteht... Auf Joes Empfehlung war ich heut dann beim Whale-watchen mit Jens, einem Deutschen, der vor 24 Jahren mit seinen Eltern (sein Vater war Fischer) nach Vancouver Island ausgewandert ist. Die Vorzüge von Jens (nein, nicht, dass er Deutsch spricht, das ist nicht so wichtig) sind schließlich der Vorzugspreis für Leute aus Joes Hostel (69$), ein kleines Boot mit maximal 7 Teilnehmern pro Tour und eine persönliche Atmosphäre, die einen Trip wohl immer mit der Frage, ob man was dagegen hat, wenn man später wieder in Tofino ankommt, enden lässt. Der mit 2,5 bis 3 Std. angekündigte Trip hatte letztlich so 3 Std. und 45 Min. Morgens um 8 ging es raus aus dem Hafen Tofinos, direkt ins Inlet des Clayoquot. Um ehrlich zu sein, fragte ich mich hundemüde (mit ein Frühstück, dass Joe für mich und Rowen extra früher bereit gestellt hat), wie man eigentlich Wale gucken gehen soll. Die tauchen doch. Und sind ein paar Schwanzflossen und Blasschauspiele den Zirkus wert? Ja! - Nicht lange dauerte es, bis sich die ersten Weißkopf-Seeadler zeigten, die majestätisch auf Bäumen rund um ihre bis zu 3x4m großen Nester saßen und Ausschau nach Feinden hielten. Uns hielten sie offensichtlich nicht für solche und ließen Jens (der netterweise Bilder für mich gemacht hat) in Ruhe Fotos machen. Auch Seeotter tauchten um uns herum auf, schnell fanden sich auch die ersten Robben und zwei kleine Delfine (90cm Länge). Die Adler waren für mich schon ein Highlight, doch um die Ecke, auf der nächsten felsigen, Baum überwucherten Insel graste eine Schwarzbären Mutter mit ihren beiden Zwillingen - denn während der niedrigen Tide fressen sie das Seegras an den Felsen (Schwarzbären essen sehr viel mehr als nur Fleisch - das bildet eher eine Ausnahme). Unglaublicher Anblick. Das Wetter war heute ruhiger, doch je weiter wir rauskamen (auf der Suche nach Grau- und Buckelwalen), desto unruhiger wurde das Wasser - eine Nachwirkung des stürmischen Wetters gestern Abend. Kein Problem für die ersten 2 Stunden. Ungefähr 9 oder 10 Grauwale, die eine Länge bis zu 16m erreichen und 4x Luft holen, bevor sie ca. 5-7Min. tauchen gehen, um schaufelartig den Grund nach Shrimp zu durchforsten und einen braunen Fleck zu hinterlassen, wenn sie den aufgeschaufelten Sand nahe der Oberfläche wieder ausspucken. Einen "Fußabdruck" hinterlässt auch die Schwanzflosse, die anzeigt, dass der Kumpel nun erstmal auf Nahrungszufuhr eingestellt die ca. 100m nach unten taucht. Beeindruckend. Aber unter Wasser auch noch gucken können, wäre nett. Ein Problem nur kam dann. Ich wurde etwas seekrank. Nicht übel. Aber doch merklich. Nicht das ich kot*** müsste, aber so, dass ich mich ein bisschen konzentrieren musste. Während wir fuhren, wars garnicht so schlimm, aber beim Stehen und Ausgucken, urg... Eine neue Erfahrung. Ziemlich weit von der Küste entfernt, machten wir uns schließlich noch, bei ordentlichem Wellengang, auf die Suche nach Buckelwalen, die noch größer (18m) sind - die waren allerdings etwas scheu. Doch letztlich konnten wir noch eine Mutter mit ihrem Kalb entdecken, die um uns herumschawenzelten! Auf unserem Weg zurück in die fjordartig zerklüftete Landschaft, sahen wir schließlich noch mehr Robben und einen königlichen Seelöwen, die auf den Felsen mitten im Meer faulenzten... doch letztlich war ich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Noch schnell die Fotos aus Jens' Bed & Breakfast abgeholt, bin ich erstmal zurück ins Hostel. Und leider war ich immer noch ein bisschen seekrank. Also beschloss ich, ein paar Nudeln zu essen und einen Nap anzutreten. Doch irgendwie half das alles nichts. Ein bisschen rumhängend, mit Joe quatschend und im Internet surfend verbrachte ich dann die nächste Stunde, bis die beiden asiatisch-stämmigen Mädels aus meinem Zimmer, die, wie gesagt, auch in Waterloo studieren, übrigens auch morgen nach Vancouver fahren, die eine auch an der University of Western Australia in Perth war, und wir auch noch den gleichen Flug zurück nach Toronto haben, mich fragten, ob ich mit Frisbee spielen möge - im wunderschönen Ambiente des Tonquin Park Strandes. Die beiden gingen vor, ich kam nach. Die beiden spielten schon in Mannschaften, ich war blutiger Anfänger. Doch ich habe schnell gelernt, mich gut geschlagen - wir haben 2 1/2 Std. gespielt und ich hab geschwitzt wie ein Schwein. Doch es war lustig (und ich anschließend sandig) und dieser Strand... Der Abend im Hostel dann brachte, neben Packen, Gequatsche mit den alten und neuen (der Franzose ist immer noch wie paralysiert) Mitbewohnern und Joe und eine Pizza zum Abschluss der Tofino-Woche. Die war eine gute Wahl - und es ist quasi schade, dieses nette Hostel-Ambiente schon wieder verlassen zu müssen. Danke Tofino, danke Joe!

Was für ein furioser Start: Ein Baby Schwarzbär (wie wir schon einen im Pacific Rim gesehen haben) hält Ausschau nach schmackhaften Touristen...

...Mama ist natürlich nicht weit und schnabuliert auch das Seegras...

...ich habe die beiden Cali & Elli genannt...

...zumindest in Gedanken, denn sonst war ich sprachlos.

Der Weißkopf-Seeadler (90cm hoch, bis zu 2m Spannweite) thront auf der Zeder...

...nach ein paar scheuen Seeotern und Delfinen begann dann die konzentrierte Beobachtung der Hochsee...

...DA! Eine Fontäne! Grauwal in Sicht!...

....da ist sie, die mächtige Schwanzflosse...

...deren Auftauchen anzeigt...

...dass der Kumpel nun abtaucht.

Die Fotos der Buckelwale sind leider nix, doch dafür sind die vom Seelöwen umso besser...

...der mit seinen 1000kg Gewicht seinem königlichen Status ordentlich gerecht wird.

Ohren schön sauber machen, damit man sich anpirschende Orcas hört - die warn heute leider nicht in der Gegend...

...weswegen auch die Robben in aller Ruhe faul in der Sonne lagen...

...und uns anguckten, als wären wir Freaks. Richtig so.