Hatte ich bereits erwähnt, dass Joes Hostel das beste Hostel ist, dass ich jemals besucht habe? Ein paar habe ich ja schon gesehen, aber so eins... Joe ist der freundlichste, witzigste und hilfsbereiteste Hostelvater, den man sich vorstellen kann. Das Tofino TrekInn ist im Prinzip ein Ein-Familienhaus. Man kommt rein, steht im gemütlichen Wohnzimmer, man geht gerade weiter, steht in der bunten Küche, oder biegt auf den Balkon und die Terrasse ab, von der man herrlichen Blick auf den Clayoquot Sound hat. Links von der Küche ist der Dorm-room mit 5 Betten, geradeaus das große (und immer saubere!) Bad und dann gibts noch zwei Private-rooms. Joe selbst schläft auf dem Dachboden. Selbstlos, wa? Wie gesagt, er ist der Gast, der nie wieder ging. Hoffentlich. Seine Vermieter sind nämlich inzwischen ziemliche Arschlöcher, das heißt, das beste Hostel der Welt steht ab nächstem März auch noch auf der Kippe. Da ich auf jeden Fall nach Vancouver Island zurückkehren muss, hoffe ich natürlich, dass der Laden dann noch besteht... Auf Joes Empfehlung war ich heut dann beim Whale-watchen mit Jens, einem Deutschen, der vor 24 Jahren mit seinen Eltern (sein Vater war Fischer) nach Vancouver Island ausgewandert ist. Die Vorzüge von Jens (nein, nicht, dass er Deutsch spricht, das ist nicht so wichtig) sind schließlich der Vorzugspreis für Leute aus Joes Hostel (69$), ein kleines Boot mit maximal 7 Teilnehmern pro Tour und eine persönliche Atmosphäre, die einen Trip wohl immer mit der Frage, ob man was dagegen hat, wenn man später wieder in Tofino ankommt, enden lässt. Der mit 2,5 bis 3 Std. angekündigte Trip hatte letztlich so 3 Std. und 45 Min. Morgens um 8 ging es raus aus dem Hafen Tofinos, direkt ins Inlet des Clayoquot. Um ehrlich zu sein, fragte ich mich hundemüde (mit ein Frühstück, dass Joe für mich und Rowen extra früher bereit gestellt hat), wie man eigentlich Wale gucken gehen soll. Die tauchen doch. Und sind ein paar Schwanzflossen und Blasschauspiele den Zirkus wert? Ja! - Nicht lange dauerte es, bis sich die ersten Weißkopf-Seeadler zeigten, die majestätisch auf Bäumen rund um ihre bis zu 3x4m großen Nester saßen und Ausschau nach Feinden hielten. Uns hielten sie offensichtlich nicht für solche und ließen Jens (der netterweise Bilder für mich gemacht hat) in Ruhe Fotos machen. Auch Seeotter tauchten um uns herum auf, schnell fanden sich auch die ersten Robben und zwei kleine Delfine (90cm Länge). Die Adler waren für mich schon ein Highlight, doch um die Ecke, auf der nächsten felsigen, Baum überwucherten Insel graste eine Schwarzbären Mutter mit ihren beiden Zwillingen - denn während der niedrigen Tide fressen sie das Seegras an den Felsen (Schwarzbären essen sehr viel mehr als nur Fleisch - das bildet eher eine Ausnahme). Unglaublicher Anblick. Das Wetter war heute ruhiger, doch je weiter wir rauskamen (auf der Suche nach Grau- und Buckelwalen), desto unruhiger wurde das Wasser - eine Nachwirkung des stürmischen Wetters gestern Abend. Kein Problem für die ersten 2 Stunden. Ungefähr 9 oder 10 Grauwale, die eine Länge bis zu 16m erreichen und 4x Luft holen, bevor sie ca. 5-7Min. tauchen gehen, um schaufelartig den Grund nach Shrimp zu durchforsten und einen braunen Fleck zu hinterlassen, wenn sie den aufgeschaufelten Sand nahe der Oberfläche wieder ausspucken. Einen "Fußabdruck" hinterlässt auch die Schwanzflosse, die anzeigt, dass der Kumpel nun erstmal auf Nahrungszufuhr eingestellt die ca. 100m nach unten taucht. Beeindruckend. Aber unter Wasser auch noch gucken können, wäre nett. Ein Problem nur kam dann. Ich wurde etwas seekrank. Nicht übel. Aber doch merklich. Nicht das ich kot*** müsste, aber so, dass ich mich ein bisschen konzentrieren musste. Während wir fuhren, wars garnicht so schlimm, aber beim Stehen und Ausgucken, urg... Eine neue Erfahrung. Ziemlich weit von der Küste entfernt, machten wir uns schließlich noch, bei ordentlichem Wellengang, auf die Suche nach Buckelwalen, die noch größer (18m) sind - die waren allerdings etwas scheu. Doch letztlich konnten wir noch eine Mutter mit ihrem Kalb entdecken, die um uns herumschawenzelten! Auf unserem Weg zurück in die fjordartig zerklüftete Landschaft, sahen wir schließlich noch mehr Robben und einen königlichen Seelöwen, die auf den Felsen mitten im Meer faulenzten... doch letztlich war ich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Noch schnell die Fotos aus Jens' Bed & Breakfast abgeholt, bin ich erstmal zurück ins Hostel. Und leider war ich immer noch ein bisschen seekrank. Also beschloss ich, ein paar Nudeln zu essen und einen Nap anzutreten. Doch irgendwie half das alles nichts. Ein bisschen rumhängend, mit Joe quatschend und im Internet surfend verbrachte ich dann die nächste Stunde, bis die beiden asiatisch-stämmigen Mädels aus meinem Zimmer, die, wie gesagt, auch in Waterloo studieren, übrigens auch morgen nach Vancouver fahren, die eine auch an der University of Western Australia in Perth war, und wir auch noch den gleichen Flug zurück nach Toronto haben, mich fragten, ob ich mit Frisbee spielen möge - im wunderschönen Ambiente des Tonquin Park Strandes. Die beiden gingen vor, ich kam nach. Die beiden spielten schon in Mannschaften, ich war blutiger Anfänger. Doch ich habe schnell gelernt, mich gut geschlagen - wir haben 2 1/2 Std. gespielt und ich hab geschwitzt wie ein Schwein. Doch es war lustig (und ich anschließend sandig) und dieser Strand... Der Abend im Hostel dann brachte, neben Packen, Gequatsche mit den alten und neuen (der Franzose ist immer noch wie paralysiert) Mitbewohnern und Joe und eine Pizza zum Abschluss der Tofino-Woche. Die war eine gute Wahl - und es ist quasi schade, dieses nette Hostel-Ambiente schon wieder verlassen zu müssen. Danke Tofino, danke Joe!

Was für ein furioser Start: Ein Baby Schwarzbär (wie wir schon einen im Pacific Rim gesehen haben) hält Ausschau nach schmackhaften Touristen...

...Mama ist natürlich nicht weit und schnabuliert auch das Seegras...

...ich habe die beiden Cali & Elli genannt...

...zumindest in Gedanken, denn sonst war ich sprachlos.

Der Weißkopf-Seeadler (90cm hoch, bis zu 2m Spannweite) thront auf der Zeder...

...nach ein paar scheuen Seeotern und Delfinen begann dann die konzentrierte Beobachtung der Hochsee...

...DA! Eine Fontäne! Grauwal in Sicht!...

....da ist sie, die mächtige Schwanzflosse...

...deren Auftauchen anzeigt...

...dass der Kumpel nun abtaucht.

Die Fotos der Buckelwale sind leider nix, doch dafür sind die vom Seelöwen umso besser...

...der mit seinen 1000kg Gewicht seinem königlichen Status ordentlich gerecht wird.

Ohren schön sauber machen, damit man sich anpirschende Orcas hört - die warn heute leider nicht in der Gegend...

...weswegen auch die Robben in aller Ruhe faul in der Sonne lagen...

...und uns anguckten, als wären wir Freaks. Richtig so.